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Handys:2020 soll endlich das Jahr der eSIM werden

´SIMsalabim!" - Alles, was man über SIM-Karten wissen muss

Schluss mit Fummeln: Das verspricht die eSIM-Technik, bei der der SIM-Chip direkt ins Gerät eingebaut wird.

(Foto: picture alliance/dpa)

Chip statt Plastikkärtchen: Für die Verbraucher hat die eSIM im Handy viele Vorteile, trotzdem hat sie sich nicht durchgesetzt. Das könnte sich nun ändern.

Manche Dinge dauern eben etwas länger, sogar wenn sie eigentlich viele Vorteile bieten. Die meisten Smartphone-Nutzer zum Beispiel fummeln noch immer mit ihren SIM-Karten herum, obwohl es längst eine überlegene Alternative gibt: die eSIM. Schon seit Jahren ist die Technologie verfügbar, doch erst allmählich kommen mehr Geräte auf den Markt, die sie auch eingebaut haben.

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Das nämlich ist der Hauptunterschied zur Plastikkarte mit Chip, die alle kennen: Die eSIM ist ein winziger, fünf mal sechs Millimeter messender Chip, auf den das Profil eines Handyvertrags geladen werden kann. eSIM steht für embedded SIM, der Chip ist also in den Geräten fest verbaut, doch das ist - anders als etwa beim Akku - keineswegs von Nachteil. Denn das Profil lässt sich jederzeit löschen und durch ein neues ersetzen und bietet damit den Kunden eine höhere Flexibilität, unter anderem entfällt das Warten auf neue SIM-Karten beim Anbieterwechsel.

Netzbetreiber waren keine Fans der neuen Flexibilität

Gerade dieses Mehr an Flexibilität hat bei den Mobilfunkanbietern nicht unbedingt Begeisterung ausgelöst. Außerdem lassen sich theoretisch auch zwei Profile auf eine eSIM laden, zum Beispiel eines für Daten, eines zum Telefonieren. Auch das gefällt den Anbietern nicht besonders, weil die Kunden sich das jeweils günstigste Angebot aussuchen können. Weshalb die Anbieter lange lieber bei der Plastik-SIM blieben - schließlich wollte man es den Kunden nicht allzu leicht machen, mal eben schnell den Anbieter zu wechseln.

Inzwischen bieten die großen Drei, Telekom, Vodafone und Telefónica, aber alle die Möglichkeit an, eSIMs zu verwenden. Nur können das viele Nutzer noch nicht, denn bisher haben nur einige Hersteller eSIM-Chips in ihre Geräte eingebaut. Vorreiter ist der Apple-Konzern, der die Technik in allen seinen neueren Smartphones, beginnend mit dem iPhone XS, vorsieht. Samsung zieht nun mit der Galaxy-S20-Reihe nach, auch die neueren Pixel-Smartphones von Google kommen mit eSIM, allerdings spielen sie auf dem Markt keine allzu große Rolle.

Das Ende der herkömmlichen SIM-Karte wurde schon vor Jahren vorhergesagt. Tatsächlich würde es vieles einfacher machen. Die Kunden müssten nicht mehr mit den Karten hantieren, wer bereits einen Vertrag mit einem Anbieter hat, könne die eingebaute SIM in ein paar Sekunden aktivieren, verspricht Tim Mois, der Chef von Sipgate.

Sipgate ist ein Full Mobile Virtual Network Operator, also ein Mobilfunkanbieter, der bis auf Sendemasten und eine Funklizenz alles hat, was die drei großen Anbieter auch haben. Den Zugang zu den Masten sichert sich Sipgate durch eine Kooperation mit der Telefónica.

Sipgate, eigentlich vor allem bekannt mit den Produkten zum Telefonieren übers Internet, verfügt daher über eine Plattform, über die sowohl Festnetz- als auch mobiles Telefonieren angeboten werden kann. "2020 könnte das Jahr der eSIM werden", glaubt Mois, "jetzt fängt die Welle an." Anzeichen dafür sei, dass mehr und mehr Geräte mit eingebauten eSIMs auf den Markt kämen, darunter zum Beispiel auch einige Smart Watches. Aber auch die Mobilvereinigung GSMA, die den Mobile World Congress ausrichtet, die wichtigste Branchenmesse, ist für die eSIM.

Anbietern wie Aldi könnte die eSIM das Geschäft vermiesen

Im Jahr 2023, so schätzt die GSMA, könnten in Deutschland bereits 50 Prozent der Smartphones eine eSIM haben, "das wird eine starke Marktmacht bekommen", sagt Mois vorher. Aber was haben die Kunden davon, abgesehen von der Tatsache, dass sie keine physische Karte mehr brauchen? Sie könnten beispielsweise zwei Netze gleichzeitig nutzen, sagt Mois, etwa um private und berufliche Nutzung auf einem Gerät zu vereinen. Das könnte in Firmen genutzt werden, die es erlauben oder verlangen, dass die Mitarbeiter ihr eigenes Gerät mitbringen. Die Festnetznummer könnte auf dem Handy verwendet werden, ohne dass dafür eine Weiterleitung eingerichtet werden müsste.

Mois prophezeit, dass dies nicht ohne Auswirkungen auf den Markt bleiben werde, denn nur einige wenige Anbieter könnten mit eSIMs umgehen. Dazu gehörten die drei großen Mobilfunkkonzerne Telekom, Vodafone und Telefónica sowie noch drei bis vier virtuelle Netzbetreiber. Anbieter wie etwa Aldi, glaubt Mois, würden dadurch ihre Relevanz verlieren. Ob es allerdings so kommt, wird man sehen müssen, denn: Manche Dinge dauern eben etwas länger.

© SZ vom 06.05.2020/mxm
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