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Großbritannien:Forscher infiziert sich mit Computervirus

Ein britischer Wissenschaftler überträgt einen Computervirus - und verwendet dafür nicht das Internet oder Speichermedien, sondern seine Hand.

Es ist ein verstörendes Experiment: Mark Gasson von der britischen Universität Reading hat sich als erster Mensch selbst mit einem Computervirus infiziert. Doch nach eigener Aussage kann er damit nicht seine Gesundheit gefährden, sondern die der Menschen, die er trifft.

A RFID computer chip under the skin of Amal Graafstra's left hand logs him into a computer in New York

Hand mit implantierten RFID-Chip: Neue Technik mit Vorteilen und Gefahren.

(Foto: ag.rtr)

Einen winzigen RFID-Chip trägt der Wissenschaftler unter der Haut seiner linken Hand. Die RFID-Technik (Radio Frequency Identification) ist inzwischen in vielen Bereichen verbreitet: Dabei speichert ein batterieloser Chip Informationen, die per Funk ausgelesen werden können, sobald er in die Nähe eines entsprechenden Lesegeräts kommt.

RFID-Implantate zur Kontrolle

In der Logistik wird die Technik beispielweise eingesetzt, um die Echtzeit-Bewegungen von Waren zu verfolgen. Doch auch in Lebewesen werden solche Chips bereits implantiert: Nutztiere wie Kühe tragen so maschinenlesbar Informationen über Herkunft, Alter oder Krankheiten mit sich.

Auch einige Menschen lassen sich RFID-Chips einpflanzen. Anwendungsgebiete sind Zugänge zu Gebäuden, aber auch medizinische Felder: "Wenn Sie beispielsweise ohnmächtig sind, können Sie gescannt werden und ihre Vorerkrankungen erkannt werden", erläuterte Gasson im Gespräch mit der BBC eine Anwendungsmöglichkeit, die in den USA immer mehr Anhänger findet.

Gasson selbst sieht Vorteile in dieser Technik, warnt aber auch vor den Gefahren. Der Chip in seinem Experiment ermöglichte ihm nicht nur, sein Handy zu aktivieren und Zugangstüren seines Instituts zu passieren - er schaffte es auch, den Virus an die Kontrollsysteme weiterzugeben, die den Chip auslasen. Auch weitere RFID-Implantate hätten sich so infizieren lassen, vorausgesetzt, sie wären beschreibbar gewesen.

Ferngesteuerter Herzschrittmacher

Bei einem Zugangschip können die Konsequenzen unangenehm, aber gesundheitlich harmlos sein. Anders könnte es sich verhalten, wenn beispielsweise Minicomputer wie Herzschrittmacher plötzlich durch einen solchen Virus manipuliert werden.

"Ich glaube, es ist wichtig, anzuerkennen, dass unser nächster Evolutionsschritt darin liegen könnte, dass wir zum Teil Maschinen werden, um uns selbst zu verbessern", wird Gasson in einer Mitteilung seines Instituts zitiert, "möglicherweise wird es sogar eine Art sozialer Druck, bestimmte Implantate einfach zu haben, weil alle sie haben."

Die möglichen Bedrohungen einer solchen Entwicklung, so sein Fazit, dürften nicht unterschätzt werden.

© sueddeutsche.de/joku/holz
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