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Google:Trotz allem: Wir Nutzer entscheiden über das Schicksal von Alphabet

Es ist vor allem diese Geschäftspolitik, die Google in Deutschland und Europa das Image ruiniert. Dazu kommen andauernde Streitigkeiten mit der Europäischen Kommission, die Googles Marktmacht misstrauisch beäugt, und zahlreiche Vorwürfe von Konkurrenten, die sich von Googles Monopolstellung als Suchmaschine gegängelt fühlen. Und diese Firma beziehungsweise dieser Firmenkomplex arbeiten jetzt eben an der Zukunft der Menschheit.

Das alles geschieht in einem Moment der Menschheitsgeschichte, in dem es ohnehin ganz danach aussieht, als schlitterten wir in ein Zeitalter umfassender Überwachung. Versicherungen möchten wissen, wie und wohin wir unser Auto bewegen. Die Bundesregierung und ihre Behörden möchten möglichst einfach alles wissen, zum Beispiel, wem wir Geld geben, was wir kaufen und mit wem wir Kontakt haben.

Werbetreibende Unternehmen auf der ganzen Welt möchten wissen, was wir uns gerade wünschen, und sie möchten berechnen, was wir uns nächsten Monat oder in fünf Jahren wünschen werden. In dieser Welt ist der Mensch nurmehr das Negativ seiner Daten. Man muss ihn nicht persönlich kennen, um seine Persönlichkeit zu kennen. Es reicht, seine Daten zu sammeln.

Mit Facebook lauert ein mächtigen Konkurrent

In diese Zukunft wird die Menschheit nun von Alphabet begleitet werden. Das ist ein Fakt. Kein unumstößlicher zwar, denn an der Börse geht es für die Digitalkonzerne, auch für die großen, oft schneller bergauf und wieder bergab als für die Industriekonzerne alter Prägung. Verschwunden ist schließlich auch MySpace, Yahoo steht auf der Kippe, Apple und Twitter sind im langsamen Sinkflug. Und in Facebook ist für Google ein mächtiger Konkurrent herangewachsen, der als Alternative an einer vollständig geschlossenen digitalen Welt arbeitet.

Staatliche Alternativen zu Alphabet fallen komplett aus, wie die Politik die Nutzer ohnehin alleine lässt. Die Forderung nach einem "europäischen Google" ist sinnfrei, da sie oft genug von denselben Politikern kommt, deren regulative Arbeit es europäischen Start-ups unmöglich macht, jemals an amerikanische Erfolge anzuknüpfen. Stattdessen reiht sich der Staat mit der Vorratsdatenspeicherung ein in die lange Reihe der Datensauger.

Google und Alphabet wären nichts ohne ihre Millionen Nutzer

Wer sicherstellen will, dass die Zukunft mit Alphabet nicht so laufen wird wie die Vergangenheit mit Google, wer nicht möchte, dass all die schönen Erfindungen, an denen in den Alphabet-Firmen gearbeitet wird, das Ende der Privatsphäre ihrer Nutzer bedeuten, der muss sich an ein Prinzip des Kapitalismus erinnern. Wenn sich Alphabet einem System unterwirft, dann dem Kapitalismus. Und da ist es nun mal so, dass eine Firma, deren Produkte nicht nachgefragt werden, im Wert sinkt.

Google und Alphabet wären nichts ohne ihre Millionen Nutzer. Wir alle haben den Konzern zu dem gemacht, was er heute ist, wir alle haben unsere Daten abgegeben und keine weiteren Fragen gestellt. Nur so konnte Alphabet entstehen und schließlich der wertvollste Konzern der Welt werden. Wir alle haben es in der Hand: Wenn genügend Menschen aufhören, sämtliche Daten von sich bereitwillig preiszugeben, wird Google irgendwann darauf reagieren müssen - im Sinne der Nutzer.

Das G im Alphabet stehe für Google, heißt es auf der Webseite der Holding. Da bleiben ja noch ein paar andere Buchstaben. D wie Datenschutz, zum Beispiel, V wie Verantwortung und nicht zuletzt A wie Abschalten.

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