Gelesen: Das Twitter-Buch:Durch dick und doof

Großes Kompendium der ganz kleinen Form: Im Twitterlexikon genügen 140 Zeichen, um in das Schwarze des Humors zu zielen.

@Alex Rühle

Wer glaubt, Twitter sei nur für Doofe und schuld am good old Untergang des Abendlandes, der verfüge sich mit diesem verkrusteten Gerede bitte an genau die vernieselte Straßenecke, an der schon die Leute stehen, die gegen Glasfaserkabel wettern. Solche Leute gibt es nicht? Es sei absurd, gegen Kabel zu wettern? Richtig. Aber warum tun dann immer noch viele so, als sei twittern per se blöd?

Egal, den endgültigen Gegenbeweis liefert nämlich jetzt der Pons-Verlag: "Twitter - das Leben in 140 Zeichen" (190 S., 9,95 Euro) versammelt 500 Kurznachrichten von 230 Twitterern, ein lebensphilosophisch hochkomprimiertes Kompendium, das mit dem Leser wie ein guter Freund durch dick und doof geht.

Unterteilt ist das Werk in Kapitel wie "Arbeit - Berlin - Prokrastination - Nerds", was andeutet, dass viele der Autoren in so unterhaltsamen wie unterhaltsarmen Berliner Verhältnissen leben. Aus dem Poesie-Kapitel stammt die großartige Definition: "Twitter is the 'try' in 'poetry'", die sich in der originellen falschen Betonung selbst widerlegt:

Die meisten dieser Kalauer sind viel mehr als nur Versuche, sie zielen genau ins Schwarze des Humors. Und einige Twitterer wie der eben zitierte Formschub, Mspro oder Sillium sollten Singleauskopplungen wagen, so gut sind sie.

Einer von Silliums Sprüchen, betreffend die Gewürze Süd- und Nordkoriander, wurde übrigens auf die erste Seite der heutigen "SZ am Wochenende" geschmuggelt, dafür an dieser Stelle ein analoger Dank-Tweet.

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