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Gehackte Smartphones:Wie abhörsicher sind Handys?

Das Smartphone des britischen Ex-Premiers Gordon Brown war Angriffsziel der "News of the World"-Hacker. Wäre das auch in Deutschland möglich? Es gibt nur eine Möglichkeit, die Handy-Kommunikation zu schützen.

Sich in ein fremdes Handy einhacken und Gespräche mithören, kann kein allzu schweres Unterfangen sein, wenn es inzwischen schon Journalisten gelingt, wie der Skandal um News of the World zeigt.

25 Jahre Handy - Bundeskanzlerin Merkel

Angela Merkel mit ihrem Handy: Welche Krypto-Lösung sie benutzt, ist nicht bekannt.

(Foto: dpa)

Tatsächlich gibt es viele Möglichkeiten, fremde Gespräche mitzuhören. Kann man sich das Handy des potentiellen Opfers "kurz ausleihen", lässt sich darauf schnell eine Spionagesoftware installieren, die es für wenig Geld online zu kaufen gibt. Diese schneidet alle Gespräche mit und schickt sie an einen Server. Dort muss sich der Täter nur einloggen und kann alles nachhören.

Oder der Täter kauft für ein- bis zweitausend Euro eine Mobilfunkbasisstation, installiert sie in der Nähe des abzuhörenden Handys und kann so alle eingehenden und ausgehenden Gespräche abfangen.

Krypto-Lösungen für die Minister

Schutz vor solchen Angriffen bietet laut Experten nur die verschlüsselte Kommunikation. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) , das für die IT-Infrastruktur der Behörden zuständig ist, hat zwei Krypto-Lösungen für das Mobilfunknetz zugelassen, aus denen die Minister und ihre Angestellten wählen können. Die eine kommt vom Münchner Technologieriesen Rohde und Schwarz: Das TopSec Mobile ist ein Verschlüsselungsgerät, das über eine Bluetooth-Schnittstelle mit dem Handy kommuniziert. Es sieht aus wie ein USB-Stick und funktioniert per Plug and play.

Die zweite Lösung hat das Düsseldorfer Unternehmen Secusmart entwickelt. Hierbei wird in die MicroSD-Card eine spezielle Hardware eingebaut. Ein Prozessor verschlüsselt Sprache und Daten. Laut Hersteller sollen so 340 Sextillionen verschiedene Schlüssel möglich sein. Hacker bräuchten Billionen Jahre, um diesen Code zu knacken. Die Secusmart-Lösung ist vom BSI bislang nur für Nokia-Handys zugelassen worden.

Nach eigenen Angaben hat die Firma bislang rund 5000 Stück an Bundesbehörden und einzelne Bundesländer verkauft. Die Karte alleine kostete so 1200 Euro netto, mit Handy muss 100 Euro mehr gezahlt werden. Industriekunden zahlen für die Karte 2200 Euro.

Bei beiden Modellen sind die Gespräche abhörsicher, allerdings nur als End-zu-End-Kommunikation, also wenn der Gesprächspartner auch eben diese Verschlüsselungstechnik nutzt. Auch schützen diese Modelle nicht davor, dass ermittelt werden kann wer, wann, von wo aus mit wem gesprochen hat.

Die größte Schwachstelle ist für Matthias Gärtner vom BSI aber nicht die Technik, sondern der Mensch. Wenn ein Politiker seinen Blackberry auf Dienstreise in China "vergisst", oder einfach auch zu viel und unbedacht ausgeplaudert wird. Viele Menschen, nicht nur Politiker vergessen, so der Sicherheitsexperte, dass ein Handy wie ein Computer von Hackern angegriffen werden könne.

Deshalb sollte jeder auch sein Handy oder Smartphone so gut es geht mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen schützen.

© sueddeutsche.de/holz
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