Freemium "Candy Crush" & Co. sind die schlimmsten Computerspiele

Nur noch eben das rote und das orangefarbene Bonbon tauschen, dann kracht's hier mal so richtig: "Candy Crush" in Aktion

(Foto: dpa)

Die süchtig machenden Handyspiele hat der kanadische Teufel erfunden, sagt "South Park". Die Wahrheit ist noch diabolischer.

Kommentar von Bastian Brinkmann

Der kanadische Teufel steckt dahinter. Er hat sich ausgedacht, die Welt mit Handyspielen zu fluten. Nutzer können sie umsonst auf ihre Smartphones laden. Doch die Spiele machen süchtig, und die Nutzer können sich kleine Vorteile erkaufen, wenn sie unbedingt dieses eine Level noch schaffen wollen. Die Firmen kassieren, die Abhängigen zahlen drauf. Dieses diabolische Geschäftsmodell hat ausgerechnet der kanadische Teufel erfunden - das ist der Plot einer Folge der Zeichentrickserie "South Park" namens "Freemium gibt's nicht umsonst". Ein kluges Stück Fernsehen. Nur ist die Wahrheit noch viel schlimmer.

Freemium ist der Name für ein modernes Geschäftsmodell. Die Idee: Die Grundversion ist umsonst. Wer mehr will, zahlt mehr. Das Modell verheiratet meist werbefinanzierte Umsonstangebote (free) und kostenpflichtige Zusatzdienste (premium). Das kann fair und gut sein. Manche Kunden wollen wenig konsumieren und wenig oder gar nichts zahlen; Intensivkunden wollen das große Paket und sind bereit, viel zu bezahlen. Freemium hilft also, unterschiedliche Konsumentengruppen anzusprechen und zu bedienen.

Einen Lutscher extra kaufen? Wie behämmert

Die Handyspiele-Industrie jedoch geht zu weit - das aber sehr erfolgreich. Der Computerspielekonzern Activision Blizzard hat diese Woche die Firma King Digital Entertainment übernommen, die vor allem für ein Spiel bekannt und gefürchtet ist: für "Candy Crush". Spieler müssen darin Bonbons farbig zuordnen. Ist ein Rätsel nicht zu lösen, kann man einen Lutscher kaufen, um ein störendes Bonbon aus dem Weg zu hämmern. Es geht nur um kleine Beträge, aber die summieren sich. King hat im vergangenen Quartal einen operativen Gewinn von 150 Millionen Dollar gemacht.

Handyspiele gehören zu den beliebtesten Apps auf Smartphones. Millionen Deutsche sind Zielgruppe dieser Branche, vor allem Frauen. Wenn der Sitznachbar in der S-Bahn das Handy aus der Tasche holt, startet er oft Candy Crush oder eines der diversen Konkurrenzangebote. Beispielsweise "Clash of Clans", der Spieler kämpft dabei gegen andere Dorfgemeinschaften. Oder "Fruit Ninja", bei dem Nutzer in die Luft geworfene Früchte zerschlitzen müssen.

Der Psychoterror der Spiele funktioniert furchtbar gut

Den Spielen ist gemein: Handynutzer können sie kostenlos herunterladen. Doch im Kleingedruckten steht der Hinweis, dass Nutzer in der App etwas kaufen dürfen, als wäre das ein nettes Angebot. "Wie macht man Leute von Crack abhängig? Indem man's verschenkt", weiß der Charakter Jimmy in der "South Park"-Folge, der vom kanadischen Teufel für das Marketing eingespannt wird. "Du schenkst ihnen 'ne kleine Prise. Und manche können danach nicht aufhören."

Die Entwicklerfirmen haben außerdem einen Psychoterror erfunden, von dem Fernsehverkaufshows und Türklingelvertreter noch viel lernen können. Die Anbieter setzen auf Kunstwährungen, meist Gold oder Münzen oder Energieeinheiten. Diese Ersatzwährung muss mit echtem Geld bezahlt werden, die Vorteile im Spiel müssen dann mit dem Kunstgold gekauft werden. So geben Menschen viel mehr Geld aus, sagt die Wirtschaftspsychologie. Die Spiele kitzeln außerdem die Belohnungsregion im Gehirn. Wem bei Candy Crush ein besonders toller Zug gelingt, dem applaudiert das Smartphone: "Sweeeeeet!"

Jemandem ins Gesicht zu schießen, ist immerhin ein ehrliches Geschäftsmodell

Die Firmen haben von Rollenspielen gelernt, in denen die Spielfiguren immer besser werden, ein größeres Schwert bekommen, einen tödlicheren Bogen. Damit können sie ihre Gegner eher besiegen, die aber auch mit jeder Stufe ein bisschen besser werden. Das macht es nötig, ein noch größeres Schwert zu erspielen - oder zu kaufen. Niederlagen bestraft das Spiel mit Liebesentzug. Sind die Herzen oder die Energieeinheiten aufgebraucht, müssen Spieler warten, teils stundenlang. Wenn sie direkt weiterspielen wollen, kostet das Geld. Den Firmen kommt zugute, dass sie in den Apps das Verhalten der Nutzer perfekt protokollieren können. Big Data pervers.

Und nun gehört ausgerechnet der Candy-Crush-Entwickler King zu Activision Blizzard. Der Konzern setzt bisher vor allem auf ein anderes Geschäftsmodell: Bestseller. Bald erscheint "Call of Duty Black Ops 3", das Spiel kostet für den PC rund 60 Euro. Ein einmalig hoher Preis, aber stundenlanges Spielvergnügen. Call of Duty kommt nicht lustig bunt daher, sondern ist ein klassischer Shooter. Das Ziel ist es, dem Gegner ins Gesicht zu schießen. Das ist immerhin eine klare Ansage - so wie beim Geschäftsmodell.

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