Skandal um Cambridge Analytica Britische Datenschützer verhängen Höchststrafe gegen Facebook

Die Facebook-App auf dem Bildschirm eines iPhones: Der Konzern muss in Großbritannien nun Strafe zahlen.

(Foto: Silas Stein/dpa)
  • Die britische Datenschutzbehörde befindet Facebook eines "schweren Verstoßes" gegen das Recht schuldig.
  • Das Unternehmen hatte die Daten von Millionen von Nutzern schlecht geschützt und App-Entwicklern weitreichenden Zugriff auf diese Daten eingeräumt.
  • Der Konzern muss 565 000 Euro zahlen. Er machte 2017 3,7 Milliarden Euro Gewinn.

Die britische Datenschutzbehörde hat gegen Facebook wegen des Skandals um die Analysefirma Cambridge Analytica die Höchststrafe von 500 000 Pfund (565 000 Euro) verhängt. Das Online-Netzwerk habe einen "schweren Verstoß" gegen geltendes Recht zugelassen, erklärte das Information Commissioner's Office (ICO) am Donnerstag.

Weltweit waren nach Berechnungen des ICO rund 87 Millionen Menschen von dem Datenskandal betroffen. Der Fall gilt als Beweis für die Nachlässigkeit des größten sozialen Netzwerkes wenn es darum geht die Daten seiner Nutzer schützen.

Der Entwickler einer Umfrage-App hatte vor mehr als vier Jahren Informationen von Facebook-Nutzern unrechtmäßig an die Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump arbeitete. Dabei ging es nicht nur um die Daten der rund 300 000 Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Der Daten-Zugriff für App-Entwickler ließ diesen breiten Einzug von Informationen von 2007 bis 2014 zu. Cambridge Analytica hat inzwischen den Geschäftsbetrieb eingestellt.

Datenschutz-Kommissarin: Facebook "hätte es besser wissen sollen"

"Facebook hat es versäumt, die Privatsphäre seiner Nutzer vor, während und nach der rechtswidrigen Verarbeitung dieser Daten ausreichend zu schützen", erklärte die britische Datenschutz-Kommissarin Elizabeth Denham. "Ein Unternehmen dieser Größe und mit dieser Expertise hätte es besser wissen und es besser machen sollen."

Das ICO bemängelte zudem, dass Facebook den App-Entwicklern ohne rechtliche Basis Zugang zu den Daten gewährt habe. "Der Zugang wurde auch dann ermöglicht, wenn die Nutzer die App nicht heruntergeladen haben, sondern einfach nur mit Personen befreundet waren, die die App hatten."

Selbst nachdem der Missbrauch der Daten im Dezember 2015 entdeckt worden sei, habe Facebook nicht genug für die Aufklärung der Affäre und den Schutz seiner Mitglieder getan. Die Mutterfirma von Cambridge Analytica, die SCL Group, sei erst 2018 von der Facebook-Plattform verbannt worden. In Großbritannien sollen mehr als eine MIllion Menschen betroffen gewesen sein.

Deutsches Bußgeldverfahren eingestellt

In Deutschland wurde Facebook wegen des Datenskandals nicht belangt. Anfang Oktober stellte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sein Bußgeldverfahren gegen Facebook in dieser Sache ein. Ein Grund war, dass die meisten Datenabrufe, um die es ging, schon verjährt gewesen seien, begründeten die Hamburger Datenschützer ihren Schritt. Da auch deutsche Facebook-Nutzer betroffen waren, hatte Caspar zunächst ein Verfahren wegen "Erhebung von Daten ohne Rechtsgrund" mit einer Bußgeldandrohung von bis zu 300 000 Euro auf den Weg gebracht.

Die App-Entwickler hätten aber nur bis Ende Mai 2015 Zugang zu den Daten gehabt, erklärten die deutschen Datenschützer. Nicht verjährt seien nur die Datenzugriffe im Zeitraum vom 20. Mai bis zum 30. Mai 2015 gewesen.

Ein Facebook-Sprecher erkläre, man sei mit manchen Ergebnissen der Untersuchung nicht einverstanden. Schmerzen dürften die 565 000 Euro Facebook allerdings nicht. Der Konzern machte 2017 3,7 Milliarden Euro Gewinn.

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