Ex-Geheimdienstler James Bamford "Die NSA-Chefs gehören ins Gefängnis"

James Bamford hat viel Zeit mit der NSA verbracht - sowohl in der Behörde selbst als auch als Journalist. In insgesamt drei Büchern hat er analysiert, wie der Geheimdienst arbeitet und zahlreiche Informationen über sein Vorgehen aufgedeckt.

Von Hakan Tanriverdi, Hamburg

SZ.de: Herr Bamford, sie waren früher selbst NSA-Analyst, wurden anschließend zum Whistleblower. Wie Edward Snowden.

Bamford: Richtig. Ich habe auch auf Hawaii gearbeitet, wie Snowden auch.

Sie und Snowden haben viele Ähnlichkeiten. Warum ist Snowden nicht zu Ihnen gekommen?

Ich bin niemand, der für eine Tageszeitung arbeitet, ich habe keinen Blog, ich schreibe alle drei Jahre ein Buch. Wäre Snowden zu mir gekommen, hätte ich diese Informationen erst Jahre später veröffentlicht. Er wollte, dass es schnell geht.

Sie werden als Chronist der NSA bezeichnet. Sie haben drei Bücher über die Arbeit der Agenten geschrieben. Wie sehen Sie die Arbeit der NSA?

Was die NSA macht, ist falsch. Es ist kriminell. Man muss gleichzeitig aber auch sagen, dass die NSA der weltweit beste Geheimdienst ist, wenn es darum geht, Informationen zu sammeln. HUMINT (Human Intelligence, also das Gewinnen von Informationen durch Aussagen von Menschen) bringt nichts, SIGINT (Signals Intelligence, Informationen gewinnen über das Abhören von Signalen) hingegen ist sehr gut, um zum Beispiel herauszufinden, wo der Gegner die Raketen versteckt.

Warum ist es schlecht, sich auf Menschen zu verlassen?

Weil man sich dabei auf Menschen verlässt. Das hat uns in den Irak gebracht. Eine Journalistin der New York Times hat sich zum Beispiel auf die Informationen von Ahmad Tschalabi verlassen. (Diese Informationen haben sich anschließend als falsch herausgestellt.) Ich bin Journalist und viele Leute erzählen mir Sachen. Sie haben eine Agenda. Es ist besser, sich auf Signals Intelligence zu verlassen.

Also ist es gut, was die NSA macht?

Ich bin nicht dagegen, dass Informationen gesammelt werden. Wenn die NSA nicht alle abhören und das Geld der Bürger dazu missbrauchen würde, ständig das Gesetz zu brechen, wäre es eine gute Behörde. Mein zweites Buch, das im Mai 2001 erschienen ist, ist ein positives Buch. Zwischen 1978 und 2001 haben die NSA-Agenten das Richtige gemacht.

Das hat sich mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verändert. Seither hört die NSA sämtliche Kommunikation von so vielen Menschen wie möglich ab. Egal, ob sie per Telefon oder über das Internet Kontakt aufnehmen.

In diesem Sinne würde ich auch sagen: Schafft die NSA ab! Sie kann sich nicht an Recht und Gesetz halten. Und wenn sie das nicht kann, muss sie weg.

Was heißt das für die Chefs der NSA?

Meine ultimative Lösung wäre: Keith Alexander und Michael Hayden müssen ins Gefängnis. Auch die Leute, die beim Abhören beteiligt waren. Sie werden sagen, dass sie gezwungen wurden, das zu tun. Aber das spielt keine Rolle. Wenn jetzt jemand zu Ihnen sagt: "Hier, da hast du ein Gewehr. Erschieß' jemanden!", würdest du das auch nicht machen. Ein Befehl ist keine Ausrede. Man muss das Gesetz kennen und achten. Also müssen diese Menschen in den Knast. Erst so kommen wir wieder auf ebenen Kiel.