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Enthüllungsplattform:Wie sicher sind Wikileaks-Quellen?

Ist Wikileaks neutral?

Trotz des Weltverbesserungs-Anspruchs möchte Wikileaks eine neutrale Plattform sein, die keine Position bezieht, sondern nur Dokumente veröffentlicht. Allerdings wurde das Irak-Video unter dem Namen "Collateral Murder" veröffentlicht - eine Einordnung, die deutlich den kriegskritischen Standpunkt erkennen lässt. Auch das Weiße Haus argumentiert nach den jüngsten Afghanistan-Enthüllungen in diese Richtung: "Wikileaks ist keine objektive Nachrichtenorganisation, sondern eine Organisation, die gegen die US-Politik in Afghanistan ist", heißt es in einer Presseerklärung.

Gefährden die Wikileaks-Dokumente Menschenleben?

Der Guardian und die New York Times bieten ihre eigenen Datensätze zum Download an und verlinken nicht auf Wikileaks. Der Grund: Auf der Enthüllungsseite sind beispielsweise die Namen von Übersetzern zu lesen, deren Namen damit auch möglichen Gegnern in Afghanistan bekannt sind. Die beiden Zeitungen haben diese Namen entfernt. Ob Wikileaks die Daten über den Kriegseinsatz in Afghanistan editiert hat, ist bislang nicht klar. Auf der Wikileaks-Seite ist zu lesen, dass 15.000 Seiten der Dokumente auf Wunsch der Quelle erst später veröffentlicht werden. Als Grund wird "Schadensminimierung" genannt. Das ist eine Abkehr von der bisherigen Wikileaks-Politik, Dokumente in vollem Umfang ins Netz zu stellen.

Warum arbeitet Wikileaks mit etablierten Medien zusammen?

Wikileaks hat angekündigt, künftig häufiger mit etablierten Medien zusammenzuarbeiten. Der Grund liegt in der stärkeren Aufmerksamkeit. "Man denkt, je größer und wichtiger ein Dokument ist, desto wahrscheinlicher wird jemand darüber berichten", erläuterte Wikileaks-Kopf Assange im Oktober 2009 in einem Interview, "Das stimmt nicht: Es geht um Angebot und Nachfrage. Kein Angebot sorgt für hohe Nachfrage, es hat einen bestimmten Wert." Übersetzt: Wenn alle Zugang zu den Materialen haben, fehlt häufig die Exklusivität, um das Interesse bei Journalisten zu wecken.

Sind Wikileaks-Quellen sicher?

Derzeit sitzt der US-Geheimdienst-Analyst Bradley Manning in Militärhaft, weil er verdächtigt wird, das umstrittene Irak-Video Wikileaks zugespielt zu haben. Manning hatte in einem Chat damit geprahlt, das Material weitergegeben zu haben. Wikileaks unterstützt den 22-Jährigen, erklärt aber, kein Wissen über seine Quellen zu besitzen, da diese auch für die Verantwortlichen der Seite erst einmal anonym sind. Aufzeichnungen eines Chat-Programms zufolge soll er jedoch direkt Kontakt zu Assange gehabt haben; Wikileaks bezeichnet die vom US-Magazin Wired.com veröffentlichten Transkripte als Fälschung.

Wie reagiert die US-Regierung auf Wikileaks?

Das Weiße Haus hat die Veröffentlichung in einer Mitteilung stark verurteilt. Bereits im Jahr 2008 bezeichneten US-Militärgeheimdienste die Seite in einem internen Bericht als "potentielle Bedrohung der Sicherheit der Streitkräfte" und diskutierten eine mögliche Sabotage. Wikileaks-Gründer Assange reist inzwischen nicht mehr in die USA und fühlt sich nach eigenen Angaben von westlichen Geheimdiensten verfolgt. Er lebt derzeit hauptsächlich auf Island.

© sueddeutsche.de/mati/jja
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