E-Sport:Dopingtests für Computerspieler

Counter-Strike Team Virtus.Pro bei der ESL One in Katowice 2015

Bei Counter-Strike müssen die Spieler in Bruchteilen von Sekunden reagieren. Dazu kommen Leistungsdruck und Nervosität. Um dem entgegenzuwirken, haben alle Spieler bei der ESL One 2015 in Katowice gedopt, behauptet der Spieler Kory Friesen.

(Foto: Helena Kristiansson)
  • Die E-Sport-Liga Electronic Sports League (ESL) kooperiert künftig mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA).
  • Nervosität, Druck, Stress: Viele professionelle Computerspieler greifen offenbar zu verbotenen Substanzen.
  • Erste Kontrollen sollen bereits in wenigen Wochen durchgeführt werden.

Von Caspar von Au

Computerspielen? Sport? Pah! In der Gaming-Szene geht es um immer mehr Geld. Offenbar ist auch Doping im E-Sport angekommen. Wie die Electronic Sports League (ESL), eine internationaler Veranstalter für Wettbewerbe in Computerspielen, am Donnerstag bekannt gab, wird sie künftig mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) zusammenarbeiten. Künftig soll es Dopingkontrollen für die Computerspieler geben.

Die ESL reagiert damit auf ein Interview des Counter-Strike-Spielers Kory "Semphis" Friesen, in dem dieser erzählt, dass er und sein damaliges Team während eines Turniers in Polen im März Adderall genommen zu haben - eine Substanz, die die Konzentrationsfähigkeit erhöht. Das Medikament ist verschreibungspflichtig und kann zu starken Nebenwirkungen und Abhängigkeit führen. "Wir sind alle auf Adderall", sagt Friesen in dem Interview. Ob er die Wahrheit sagt, ist unklar. Und weiter: "Es ist mir scheißegal. Es war ziemlich offensichtlich, wenn man sich die Kommentare angehört hat."

Die Versuchung für die Spieler ist groß

Auf der einen Seite wird E-Sport noch immer von Außenstehenden belächelt. Ein bisschen klicken und auf einen Bildschirm starren, das könne nun wirklich keine Sportart sein. Auf der anderen Seite wächst der E-Sport stetig: "Vor zehn Jahren waren es nur fünf Typen, die in der Garage spielten", sagte ESL-Sprecherin Anna Rozwandowicz im Gespräch mit der SZ. "Heute spielen die fünf Typen in einem riesigen Fußballstadion und es geht um Millionen von Dollar."

Dazu verfolgen mehrere Millionen Menschen im Livestream über das Internet die Turniere, bei denen sich die Spieler in verschiedenen Disziplinen messen - wie zum Beispiel Counter-Strike, Fifa, League of Legends oder Dota 2. Die einzelnen Spieler haben eigene Sponsoren, die eine gewisse Leistung von ihnen erwarten. "Das macht die Versuchung, zu betrügen, einfach größer", sagt Rozwandowicz. "Natürlich sind die Spieler nervös und natürlich lastet eine Menge Druck auf ihnen."

Dass sich die ESL an die NADA wendet, kann als ein Schritt zur Professionalisierung der Szene interpretiert werden. Die E-Sport-Liga möchte erstmals im August bei einem Counter-Strike-Turnier in der Kölner Lanxess Arena mit Hauttests ihre Spieler kontrollieren. Ab dann sollen bei jedem größeren E-Sport-Event, das die ESL veranstaltet, Dopingtests durchgeführt werden. Die NADA wird außerdem vor Ort sein und über das Thema informieren. "Wir werden die ESL jetzt vor allem bei der Prävention unterstützen und anschließend helfen, ein Regelwerk aufzustellen" sagt Eva Bunthoff, Pressesprecherin der NADA.

Auch Spielehersteller müssen sich künftig mit Doping auseinandersetzen

Schon jetzt verbietet die ESL zwar ihren Spielern, unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen zu spielen, mithilfe der NADA soll künftig ein konkretes Anti-Doping-Regelwerk entstehen. Rozwandowicz zufolge geht es aber nicht allein um Fairplay: "Wir waren schon immer sehr stolz auf unser großartiges Verhältnis zu den Spielern", sagt die ESL-Sprecherin. "Es geht daher auch darum, dass wir ihnen klar machen, was eine bestimmte Menge Kokain oder so mit ihrem Körper macht."

Das Thema wird wohl nicht auf die ESL und auf Europa begrenzt bleiben. Die Liga plant in Zusammenarbeit mit der World Anti Doping Agentur (WADA), in den USA, Asien und Australien ebenfalls für die Dopingproblematik im E-Sport zu sensibilisieren. Auch Spielehersteller werden sich mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Riot Games, Herausgeber des Spiels League of Legends, schreibt in einer Stellungnahme an die SZ: "Wir haben keine unmittelbaren Pläne, ebenfalls Drogentests einzuführen; aber unser Ziel ist es, mit künftigen Maßnahmen die Gesundheit der professionellen Spieler in den Vordergrund zu stellen, zusätzlich zum Schutz der Integrität der Wettbewerbe."

© SZ.de/luk
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