E-Sport als Beruf:"Computerspielen ist ein Sport"

Lesezeit: 3 min

Maxim Markow, Kommentator und Moderator für League of Legends bei Freaks4U Gaming

Maxim Markow kommentiert jede Woche live auf der Videoplattform Twitch.tv das Spiel League of Legends vor durchschnittlich 15 000 Zuschauern.

(Foto: Helena Kristiansson)

Wenn er kommentiert, hängen Tausende an seinen Lippen. Doch Maxim Markow ist kein Fußballreporter, sondern Computerspiel-Kommentator.

Von Caspar von Au

Eigentlich hatte er Lehrer an einer Förderschule werden wollen. Doch dann merkte er, wie ihn das belastete. Heute lebt Maxim Markow davon, Computerspiele live zu kommentieren und erreicht damit ein riesiges Publikum.

SZ: Herr Markow, können Sie es nachvollziehen, dass andere Ihre Arbeit als skurril empfinden?

Maxim Markow: Nein. Ich könnte genauso gut Leute, die Fußball gucken, fragen: Warum schaust du zu und spielst nicht selber? Millionen Leute gucken Fußball, obwohl sie den epischsten Bierbauch haben und sicher auch nicht so gut spielen können.

Computerspielen ist also ein Sport?

Es ist definitiv ein Sport fürs Gehirn. Computerspielen und Schach sind sich sehr ähnlich, wobei Computerspielen viel schneller ist. Du musst schnell reagieren können und deine Hände koordinieren.

Sehen Sie sich als Sportkommentator?

Unser Ziel ist es, möglichst nah an den Sportkommentar im Fernsehen heranzukommen. Wir wollen analytisch und seriös sein. Wie auch beim Fußball sind manche Partien in Computerspielen sehr langweilig. Da gilt es, durch Tiefe oder durch Unterhaltung zu überzeugen.

Maxim Markow, Kommentator und Moderator für League of Legends bei Freaks4U Gaming

Maxim Markow, 28, lebt seit einigen Jahren davon, Computerspiele live zu kommentieren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Eigentlich wollte er Lehrer werden, doch dann kam eine Spiele-Agentur auf ihn zu.

(Foto: Freaks 4U Gaming)

Sie sind angestellt bei Freaks 4U Gaming, einer Marketingagentur, die sich auf Computerspiele spezialisiert hat. Woher kommt das Geld?

Ich bekomme ein ganz normales Festgehalt. Das wird vor allem durch Einnahmen finanziert, die wir auf Youtube und auf Twitch machen. Wir werden außerdem von Partnern und Sponsoren unterstützt.

Viele Youtuber wurden in der Vergangenheit kritisiert, weil sie Produkte, in die Kamera gehalten haben, ohne es zu kennzeichnen. Bei Ihnen im Video sieht man auch mal eine Grafikkarte im Hintergrund liegen. Wie gehen sie damit um?

Ich muss mir bewusst sein, was für ein Publikum ich erreiche und welchen Einfluss ich damit habe. Wir versuchen, offensiv damit umzugehen, und sagen: Diese und jene Firma unterstützen uns. Wir machen aber nur Werbung für Produkte, hinter denen wir auch stehen. Für Kippen und Bier würden wir zum Beispiel nicht werben.

Wie kam Freaks 4U Gaming auf Sie?

Ich habe vor drei Jahren einen Youtube-Kanal gegründet: "Letsreadsmallbooks". Ich wollte Hörbücher machen, um meine Vorlesefähigkeiten als Lehrer zu verbessern. Es war zwar super lustig, aber meine Vorlesestunden auf Youtube waren eine Katastrophe. Dann habe ich angefangen, Erklärvideos für das Computerspiel "League of Legends" zu machen. Durch die Einnahmen konnte ich mir zum Teil mein Studium finanzieren. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, ein Turnier für meine Abonnenten zu veranstalten. Das habe ich dann kommentiert.

Was ist der Unterschied zwischen Let's Plays auf Youtube und Livestreaming auf Twitch?

Youtube kann man immer schauen, man kann vorspulen und zu der Stelle im Video gehen, die man sehen möchte. Nicht selten sind die Videos bearbeitet: Es ist Musik unterlegt oder lustige Sketche werden reingeschnitten. Twitch dagegen ist live. Du musst zur richtigen Zeit einschalten und hoffen, dass der Streamer da ist.

Ist das nicht etwas überholt?

Nein. Definitiv nicht. Du weißt nie, was als nächstes passiert. Und Twitch hat eine Chat-Funktion. Der Chat ist verheerend effektiv und etwas sehr Wundervolles. Die Leute schauen etwas an und können darüber diskutieren, was sie gerade anschauen. Wenn sie miteinander agieren, entstehen gewisse Dynamiken. Und: Sie können mit mir, dem Streamenden, interagieren.

Ab einer höheren Zuschauerzahl wird das natürlich schwierig. Wenn Sie ein größeres Event kommentieren, haben Sie häufig mehr als 15 000 Zuschauer.

Klar, ich kriege nicht mehr alles mit. Trotzdem werde ich durch den Chat greifbar im Gegensatz zu einem Fernsehstar, der komplett unnahbar ist.

Wie wird sich die Szene entwickeln?

Ich denke, es wird größer, schneller und besser werden. Und die Zuschauerzahlen werden von Jahr zu Jahr absurder. Ich persönlich möchte nicht nur vom Studio aus streamen und kommentieren, sondern auch vor Ort sein. Ich möchte auf der Bühne stehen und die 3000 Mann in der Halle anbrüllen dürfen.

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