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Digitale Filmrestauration:Nichts hinzuzumogeln ist die oberste Prämisse

Wer wie Weimann ein bekennender Kinofreak ist, tut sich leichter, denn der Arbeitsplatz ist ein Kino. Damit sie beurteilen kann, wie sich ihre Änderungen auswirken, ist ihr großes Schaltpult in einem kleinen Kinosaal untergebracht. Da das Ergebnis durch die Digitaltechnik sofort zur Verfügung steht, ist heute meistens jemand vom Filmteam dabei, um die Farbgebung abzustimmen. Zuvor erledigen die Coloristen aber schon Routine-Jobs und korrigieren grob die schlimmsten Schnitzer.

Ähnliches gilt für die Tonbearbeitung. Hier bietet die Digitaltechnik den Vorteil, dass viele Schritte wieder rückgängig gemacht werden können. Das ist deshalb wichtig, weil die Tonspuren heutiger Blockbuster aus 500 Einzelspuren und mehr zusammengemischt werden. Selbst ein simples Geräusch kann aus Dutzenden einzelner Spuren bestehen. Für die Restaurierung gilt aber die oberste Prämisse "nichts hinzuzumogeln", sagt Cheftonmeister Michael Kranz.

Natürlich könne man heute viel machen, "aber das wäre dann ein anderer Film". Für die "Unendliche Geschichte" beschränkte man sich deshalb darauf, zum Beispiel den in den Höhen stark abfallenden Frequenzgang der Tonspur auf die heutige Norm zu bringen. Dabei ist ein feines Ohr vonnöten, auch wenn die digitalen Hilfsmittel, etwa Denoiser gegen Bandrauschen, "immer besser" würden.

Charme der alten Technik erhalten

Diese Herangehensweise prägte das gesamte Projekt, das man bei Cinepostproduction auch ein Stück weit als Leistungsschau sieht. Auch wenn man heute mit digitaler Technik ganz andere Effekte produzieren kann: "Wir haben ganz schön gestaunt, was 1982 schon möglich war", sagt Sebastian Gassner, Leiter der Münchner Cinepostproduction-Niederlassung, "da war vieles totale Handarbeit". Gassner und sein Team wollten aber genau diesen Charme der alten Technik erhalten, für die viele Bauten und Puppen nötig waren.

Auch bei der Auffrischung von Farbe und Schärfe ging es mehr darum, wie ein Restaurator an einem alten Gemälde zu arbeiten als das maximal Mögliche aus der Digitaltechnik herauszuholen. "Zu clean", sagt Gassner, "wollten wir den Film nicht haben." Der Aufwand war dennoch enorm, mussten doch für manche der Probleme - etwa das mit dem Reiter - erst Verfahren entwickelt und dann automatisiert werden. Und manchmal half einfach nur echte Handarbeit. Also: Einzelbild für Einzelbild durchklicken und einen Bereich bearbeiten. Bei etwa 1200 Einstellungen lässt sich nur erahnen, wie viel Geduld dafür nötig war - zumal da für das gesamte Projekt nur drei Monate Zeit waren.

Das Ergebnis ist von 6. Dezember an auf einer DVD zu sehen, die im Rahmen einer Edition zum Gedenken an Bernd Eichinger veröffentlicht wird. Und 2013 soll dann eine Blu-ray-Disc der "Unendlichen Geschichte" erscheinen.

© SZ vom 03.12.2012/pauk
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