Süddeutsche Zeitung

David Irving:Hacker attackieren Holocaust-Leugner

Linke Hacker haben das E-Mail-Konto und die Internetseite des rechtsextremen Historikers David Irving geknackt - und brisantes Material im Netz veröffentlicht.

Wenn der umstrittene britische Historiker David Irving öffentliche Auftritte hat, scheut er große Ankündigungen. Auch die Auftrittsorte seiner aktuelle Lesereise durch die USA sollten im Vorfeld aus Angst vor Protesten geheimgehalten werden.

Nun hat allerdings eine Hackergruppe dem 71-Jährigen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Sie knackten seine Webseite und sein AOL-Konto, die dort gesammelten Daten veröffentlichten sie auf der Internetseite Wikileaks.

Zu den Informationen gehören neben den Zugangsdaten für Irvings E-Mail-Konto und seine Webseite auch ein Teil des E-Mail-Verkehrs des Briten. Namen, Adressen und Telefonnummern von Anhängern, die auf seiner Webseite Bücher kauften, ihm Geld spendeten oder Karten für seine Veranstaltungen kauften, sind ebenfalls darunter.

Aus den E-Mails geht hervor, wie Irving und seine Unterstützer sich tarnen, wenn sie eine Lesereise organisieren: "Der Veranstaltungsort ist unter meinem Namen reserviert", schreibt ein vermutlich rechtsradikaler Anhänger aus Virginia, "es läuft als Signierstunde, doch nicht als Deine oder die einer der Gruppen, wenn also irgendwelche Mistkerle herumstöbern, werden sie nichts finden." Die Katholische Kolping-Gesellschaft in New York sagte eine so getarnte Veranstaltung kurzfristig ab, nachdem sie durch die Veröffentlichung der E-Mails erfahren hatte, wer in ihrem Haus auftreten sollte.

"Achtung" als Codewort für jüdische Gäste

In einigen E-Mails diskutieren Irving und seine Anhänger auch, wie sie mit jüdischen Gästen im Publikum umgehen sollten - für den Fall, dass diese Veranstaltungen stören wollten. Solche Reservierungen werden in den E-Mails mit dem deutschen Wort "Achtung" versehen. "Ist Vierteljüdin", vermerkt ein Anhänger zu einer Frau, die nach dem Veranstaltungsort in New York fragt. Doch auch andere Informationen aus dem direkten Umfeld des Historikers sind nun öffentlich zugänglich: So beschwert sich eine Assistentin gegenüber Irving, von ihm respektlos behandelt zu werden.

Irvings Webseite ist seit der Attacke nicht erreichbar. Die Hacker, die sich selbst als antifaschistisch bezeichnen, hatten in einer E-Mail angedeutet, sämtliche Datenbanken der Präsenz gelöscht zu haben. Irving selbst sagte dem Internetmagazin Wired, dass die Reparaturarbeiten an der Seite noch einige Tage andauern würden, jedoch von allen Daten Sicherungskopien bestünden. Die Hacker bezeichnete er als "Cyber-Mistkerle". In einem Telefoninterview gab er zudem an, inzwischen das FBI eingeschaltet zu haben.

Irving hat in seinen Büchern und bei öffentlichen Auftritten wiederholt den Holocaust geleugnet und wurde dafür unter anderem 2006 in Wien zu drei Jahren Haft verurteilt.

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