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Rechenleistung:99 Prozent der Zeit im Leerlauf

Wird es doch nichts mit der sogenannten Singularität, daraus also, dass Maschinen - wie einige Forscher glauben - wegen der immensen Steigerung der Rechenleistung in wenigen Jahrzehnten derart intelligent werden, dass nicht mehr vorherzusehen sei, was dann passiert?

Das ist womöglich die falsche Frage. Denn schon heute laufen die Hochleistungschips in unseren Laptops und Smartphones 99 Prozent der Zeit im Leerlauf. Verbesserungen bei der Energieeffizienz, argumentiert daher der amerikanische Forscher Jonathan Koomey, könnten die Zeit überbrücken, bis fundamental neue Computer-Konzepte marktreif seien.

Davon gibt es einige. Vor wenigen Tagen erst meldete der Internet-Konzern Google Erfolge mit einem Quantencomputer - bestimmte Berechnungen, wie etwa die, die man zum Knacken von Verschlüsselungen braucht, könnten damit um Dimensionen schneller ausgeführt werden. Forscher überlegen daher bereits jetzt, wie sie Daten auch künftig noch sicher verschlüsseln können.

In anderen Projekten geht es darum, die Speichertechnologie zu verbessern. Wenn es endlich klappt mit der neuen Technik, könnten auf Handys ganze Filmbibliotheken abgelegt werden, und alle Daten, die in solchen Modulen gespeichert sind, könnten rasend schnell zur Verarbeitung im Prozessor geschickt werden. Der Computerkonzern HP zum Beispiel arbeitet an einem solchen Speicher und dazu an einem völlig neuen Rechner-Aufbau samt neuem Betriebssystem.

In einer Zeit, in der die Menge der Daten schneller wächst als die Kapazität der Chips, sie zu berechnen, könnte gerade das wichtig werden. Etwa 90 Prozent aller Daten, die heute auf Computern gespeichert sind, wurden erst in den vergangenen beiden Jahren erzeugt. Mit den zahllosen Sensoren im Internet der Dinge, von Fitness-Armbändern über automatisierte Fabriken bis hin zu Vibrationssensoren in Autobahnbrücken, wird sich diese Entwicklung noch steigern - und zwar auch immer schneller. Dazu kommt: Mehr Daten, die bisher noch nicht oder nicht richtig genutzt werden, werden auswertbar sein. Entweder weil sie in einer für Computer besser lesbaren Form gespeichert werden oder aber, weil Computer immer besser lernen, auch aus Texten, aus Einträgen in sozialen Netzwerken, ja sogar aus Bildern Informationen zu destillieren.

Dass es dabei künftig nicht mehr funktionieren wird, einfach auf die nächste Verdopplung der Rechenkapazität zu setzen, muss kein Nachteil sein, ist zum Beispiel der Elektronik-Entwickler Andrew Huang überzeugt. "Selbst wenn Moores Gesetz bald oder abrupt endet, sollten die Chipentwickler und die Verbraucher lernen, ihre Angst zu besiegen und sich darauf zu freuen, was noch kommt", schrieb er zum 50. Jahrestag von Moores Gesetz. Das könnte, so glaubt zumindest er, eine Bewegung sein ähnlich der, die heute Software wie Linux oder den Browser Firefox programmiert. Freie Hardware, heute eine absolute Nischenangelegenheit im Schatten von Giganten wie Intel oder Samsung, könnte zu etwas sehr Großem werden.