Bitcoin-Börse der Winklevoss-Brüder:Die silbernen Zwillinge

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Bitcoin-Börse der Winklevoss-Brüder: "Die Menschen haben gelacht - wie sie es immer tun, wenn etwas großartig, mächtig und neu ist." Cameron Winklevoss (li.)

"Die Menschen haben gelacht - wie sie es immer tun, wenn etwas großartig, mächtig und neu ist." Cameron Winklevoss (li.)

(Foto: Andy Kropa/AP)

Sie wollten für die Digitalwährung Bitcoin die erste offizielle Börse in den USA schaffen. Aber jetzt kam ein Konkurrent den Unternehmer-Zwillingen Cameron und Tyler Winklevoss zuvor. Zum Glück sind sie Rückschläge gewohnt.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Sie sind kluge Köpfe mit Abschlüssen von den Universitäten Harvard und Oxford, sportlich, visionär. Die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss könnten eigentlich überaus erfolgreich sein. Doch bei aller Kreativität und allem Engagement bleibt ihnen dann doch der große Triumph bisher verwehrt. Nun müssen sie einen weiteren Titel abschreiben: Die erste Bitcoin-Börse in den USA, an der diese virtuelle Währung gehandelt werden kann, startet diese Woche. Nur ist es nicht eine Bitcoin-Börse der Winklevoss-Brüder, sondern ein Angebot der Konkurrenz.

Rückschläge sind die Winklevii gewohnt. So nennen sich die 33-Jährigen selbst. Der prominenteste Fall ist wohl Facebook. Die Zwillinge warfen Gründer Mark Zuckerberg vor, von ihnen geklaut zu haben. Sie bekamen nach einem langen Rechtsstreit nur 65 Millionen Dollar Abfindung und mussten davon auch noch einen nicht unerheblichen Teil an die Anwälte abgeben. Die Winklevii traten auch als Ruderer bei Olympia 2008 in Peking an, kamen aber nur auf den sechsten Platz. Den eigenen Ansprüchen genügt das alles nicht.

Cameron und Tyler, sie wollen doch einfach nur sein wie Marco Polo oder Christopher Kolumbus oder Neil Armstrong. Zumindest schreiben sie das in ihrem Internet-Tagebuch. Aber sie geben nicht auf, zumindest nicht bei den Bitcoins. Sie haben eine ganze Menge der Währung gekauft, die nur digital existiert. Verschlüsselungstechnik soll das virtuelle Geld besonders sicher machen. Außerdem könnten Menschen damit anonym bezahlen, jubeln die Befürworter, der Überwachungsstaat bleibe außen vor, die Polizeibehörden aber auch. Es gibt zudem keine Zentralbank, die entscheiden könnte, wie viel Geld im Umlauf ist. Der Bitcoin-Kurs schwankt extrem. Zeitweise stürzte er auf 185 Dollar pro Stück ab, obwohl ein Bitcoin im Jahr 2013 mal 1200 Dollar wert gewesen war.

"So sicher wie auf einem Bankkonto"

Die Winklevoss-Brüder wollen das Bitcoin-Geschäft trotzdem vorantreiben. Kritik stecken sie weg. "Die Menschen haben gelacht - wie sie es immer tun, wenn etwas großartig, mächtig und neu ist", sagte Cameron mal. Sie hatten sich schon mal an einer Bitcoin-Börse beteiligt, namens Bitinstant. Die ist jedoch mittlerweile geschlossen, weil der Gründer wegen Geldwäsche im Gefängnis sitzt. Deswegen wollen die Zwillinge nun eine eigene Börse aufmachen. "Dieses Mal setzen wir auf uns selbst", sagt Tyler. Gemini soll die Handelsplattform heißen, Lateinisch für Zwillinge, weil das Mondprogramm der Nasa einst ebenso hieß. So hoch wollen die Winklevoss-Brüder also auch hinaus. Und natürlich passe der Name auch deshalb, weil sie Zwillinge seien.

Das Unternehmen ist riskant. Die japanische Börse Mt. Gox hatte im vergangenen Jahr Hunderte Millionen Dollar verloren und war bankrott gegangen. Die Brüder basteln nach eigener Aussage seit fast einem Jahr an der Börse. Sie haben Experten engagiert, die Sicherheit und einen reibungslosen Ablauf garantieren sollen. "Ihre Dollars sind bei Gemini so sicher wie auf ihrem Bankkonto", sagt Cameron. "Bei der weit verbreiteten Anerkennung der virtuellen Währung geht es nicht um ein 'falls', sondern um das 'wann'."

Ein Startdatum für Gemini haben die Winklevoss-Zwillinge noch nicht verkündet. Am Montag eröffnete in New York dagegen bereits Coinbase, die erste regulierte amerikanische Plattform für die virtuelle Währung. Das Unternehmen hatte kürzlich 106 Millionen Dollar eingesammelt. Auch die New Yorker Börse gehört zu den Unterstützern. In der Hälfte der US-Bundesstaaten ist Coinbase zugelassen. Wer dort wohnt, kann ein Konto eröffnen.

Den ersten Platz haben die Winklevoss-Zwillinge also verpasst. Mal wieder.

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