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Befragung in Entwicklungsländern:Viele Facebook-Nutzer wissen nicht, dass sie das Internet nutzen

  • Unter jungen Menschen in Entwicklungsländern gibt es einer Umfrage zufolge einige, die den Unterschied zwischen Facebook und dem Rest des Internets nicht kennen.
  • Facebook ist in vielen Entwicklungsländern der am günstigsten zu erhaltende Internetdienst.

Warum kaufen sich Menschen in Entwicklungsländern ein Smartphone? Wegen Facebook, sagte Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des sozialen Netzwerks, kürzlich dem Wall Street Journal. "An manchen Orten verwechseln die Leute Facebook sogar mit dem Internet." Im Alltag vieler ist Facebook einfach deutlich präsenter, hatten Marktforscher in Indonesien und Nigeria bereits 2012 geschlussfolgert.

Journalisten des US-Nachrichtenportals Quartz wollten prüfen, inwieweit diese Annahme stimmt und ließen jeweils 500 Teilnehmer in Indonesien und Nigeria unter anderem diese beiden Fragen beantworten: Ob sie zuletzt das Internet, und ob sie Facebook genutzt hatten. Das Ergebnis: Elf Prozent der Befragten gaben an, dass sie zwar Facebook, aber nicht das Internet nutzen. In Nigeria waren es neun Prozent.

Die Journalisten warnen zwar davor, dieses Ergebnis auf die Gesamtbevölkerung zu übertragen, schließlich kam die Antwort vor allem von den 22- bis 25-Jährigen (die kompletten Zahlen hier). Trotzdem dürfte einigen Menschen nicht klar sein, dass Facebook nur ein winziger Teil des Internet-Angebots ist.

Lieber nur Facebook als gar kein Internet?

Eine bedenkliche Entwicklung, aber auch eine nachvollziehbare. Ein Internetzugang ist gerade in ärmeren Ländern für viele unerschwinglich, doch Mobilfunkanbieter offerieren bereits, nur eine Verbindung zu den Facebook-Diensten bereitzustellen. Das kostet bei einem indischen Anbieter nur etwa ein Viertel, heißt es bei Quartz, auf den Philippinen sogar nur ein Fünftel. Ähnliche Angebote gibt es auch in den USA.

In Entwicklungsländern will Facebook über die Stiftung Internet.org mehr Menschen ans Internet anbinden und neue Kunden gewinnen. Der US-Konzern will günstige Anschlüsse über bestehende Telekom-Netze gewähren, und auch selbst mithilfe von Drohnen welche anbieten. Manche Dienste gibt es - zumindest für Smartphone-Besitzer - im Rahmen der Initiative kostenlos, etwa Wikipedia, die Google-Suche oder eine Jobbörse. Und natürlich Facebook.

Facebook baut damit seinen Einfluss aus: Sobald online eine Mehrheit dem sozialen Netzwerk beitrete, heißt es bei Quartz, würden etwa Politiker, Unternehmer oder Publizierende diese Nutzer eben dort erreichen wollen - müssten sich dabei aber auch nach den Regeln des Konzerns richten. Und wenn Facebook die erste Online-Erfahrung ist, dann beeinflusse das auch, was man vom Internet erwartet.