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Apple Music:Bozoma Saint John ist die coolste Frau der Tech-Branche

Bozoma Saint John demonstrates updates to Apple Music.

"C'mon, we're gonna rap": Bozoma Saint John bei der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2016

(Foto: Apple)

Die Apple-Managerin ist das Gegenteil der weißen, männlichen Nerds und bringt Programmierer zum Rappen. Frauen wie "Boz" fallen im Silicon Valley auf.

Wer im Silicon Valley von Unicorns, also Einhörnern, spricht, mein damit meist Start-ups, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden. Doch im Silicon Valley gibt es noch eine zweite Art von Einhörnern: Personen, die so selten sind wie Fabelwesen.

Bozoma Saint John ist so ein Einhorn. Sie ist eine Frau, eine Afroamerikanerin, in einer führenden Rolle bei einem der größten Tech-Konzerne der Welt. "Boz", wie sie von ihren Freunden genannt wird, leitet das weltweite Consumer Marketing bei Apple Music. Auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC trat sie erstmals vor großem Publikum auf - und verzauberte Zuschauer und Internet gleichermaßen: Twitter widmete ihr einen "Twitter Moment", mit dem der Dienst besondere Nachrichtenereignisse kennzeichnet.

"Rapper's Delight" und Ye Wo Krom: Musik ist Teil ihrer Identität

Saint John ist in Ghana geboren und aufgewachsen. Als sie 14 Jahre alt war, zog die Familie in die USA, nach Colorado Springs. Sie studierte Englisch und Afro-amerikanische Studien an der Wesleyan University in Connecticut, arbeitete für das Modelabel Ashley Stewart, mehrere Werbeagenturen und Pepsi. Dort war sie für die Markenintegration zuständig und holte Stars wie Katy Perry, Kanye West, Nicki Minaj und Eminem als Gesichter der Marke an Bord. 2014 wechselte sie zu Beats Music, das Unternehmen wurde später ins Apple-Imperium eingegliedert.

Jetzt, zwei Jahre später, rückte "Boz" mit ihrem Auftritt auf der WWDC in den Fokus der Öffentlichkeit, US-Medien waren begeistert. Sie stellte Neuerungen von Apple Music vor und spielte dabei nicht etwa Apples Vorzeige-Star Taylor Swift, sondern die Musik, die ihr persönlich am Herzen liegt. Vor einem Publikum aus größtenteils weißen, männlichen Journalisten und Programmierern stand sie im Kleid einer ghanaischen Designerin auf der Bühne und startete mit "Rapper's Delight", einen Hip-Hop-Klassiker der Sugarhill Gang. "You recognize this beat, right?", rief sie. Ihr kennt diesen Rhythmus doch. "C'mon, we'll make that whole auditorium rock." Das Publikum klatschte verhalten mit, die Kamera, die durch die Reihen schwenkte, zeigte viele peinlich berührte und unverständig grinsende Gesichter.

Weil Apple Music jetzt auch die Texte der Lieder in die App integriert, wollte Saint John die Textsicherheit des Publikums prüfen: "C'mon, we're gonna rap!" Allerdings folgte kaum jemand ihrer Vorlage. "Okay, wir müssen jetzt wohl auf Pause drücken, weil einige von euch rappen nicht im Takt mit", sagte sie, und stichelte noch ein wenig weiter gegen das Publikum: "Aber ihr habt daheim noch genug Zeit, den Text zu lernen."

Sie ist eine Frau, sie ist schwarz - und das zeigt sie auch

Auch die übrige Musik, die sie auf der Bühne abspielte, passt zu dem Bild der starken, schwarzen Frau - und umso weniger zu dem weißen, männlichen Nerd-Publikum, das bei einer Apple-Veranstaltung eben im Saal sitzt. Die Single "Money" von Leaf ("Oh ja, dazu könnte ich den Gang entlangmarschieren!") und "Atom" der ghanaischen Band Ye Wo Krom  - eine Hommage an ihre Heimat.

Doch auch wenn es dieser Auftritt war, der Saint John einem breiterem Publikum vorstellte, ist sie im Silicon Valley schon lange ein vertrautes Gesicht und bekannt dafür, Deals mit großen Musikern zu landen. Als sie noch bei Pepsi arbeitete, soll sie die Strippen für Beyoncés legendären Super-Bowl-Auftritt im Jahr 2013 gezogen haben, bei dem diese sich überraschend mit ihren ehemaligen Bandkolleginnen von Destiny's Child zusammentat. Auch beim Apple-Music-Spot mit Mary J. Blige, Taraji P. Henson und Kerry Washington, der Twitter zu Freudenschreien unter dem Hashtag #Blackgirlmagic bewegte, hatte Saint John die Finger mit im Spiel.

Schon früh wollte sie Karriere machen. Ihr Slogan: "Nuthin but a Boz thang"

Dass sie immer näher an die Musikbranche gerutscht ist, sieht Saint John auch in ihrer Biografie begründet: Ihr Vater war Musiker und hatte einen Doktortitel in Ethno-Musikwissenschaften und Anthropologie. "Ich glaube, seine Leidenschaft muss schon früh auf mich abgefärbt haben", sagte sie in einem Interview. In der zehnten Klasse bewarb sie sich für die Schülervertretung. Der Slogan ihrer Kampagne: "Nuthin but a Boz thang". Genau wie Musik immer Teil ihres Lebens war, wollte sie auch schon früh Karriere machen.

Sie bezeichnet sich selbst als "superexecu-mommy", eine Mischung aus erfolgreicher Businessfrau und Mutter, postet auf Twitter Zitate von Nietzsche ("Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist.") und auf Instagram unter dem Namen Badassboz Fotos ihrer Outfits und von Blumensträußen, die ihre Freunde ihr geschickt haben.

"Und ich werde aufstehen, ohne Angst zu haben"

Doch besonders deutlich wird ihre Stärke, wenn sie auf einer Bühne steht. So wie am Dienstagabend bei der "Women of Influence Gala" der TJ Martell Foundation, einer Organisation, die Krebsforschung unterstützt. Saint John wurde dort geehrt, ihre Laudatio hielt Andra Day, eine der besten Soulsängerinnen der Gegenwart. Day sang ihren Song "Rise Up". Über den Saint John sagt, er sei so etwas wie der Soundtrack ihres Lebens geworden, seit ihr Mann an Krebs gestorben ist und sie ihre siebenjährige Tochter Yael alleine großzieht.

Yael stand auch an ihrer Seite, als Saint John den Preis entgegennahm. Die Preisträgerin sagte, den Liedtext von Day paraphrasierend: "Ich werde noch tausendmal aufstehen, wieder und wieder, für sie und für mich selbst und für die Zukunft. Und selbst wenn ich jeden Tag herumlaufe als 1,80 Meter große Frau mit zehn Zentimeter Absätzen, mit all meinen Haaren und meiner kompromissloser Haltung, habe ich trotzdem manchmal Angst. Aber wir haben uns, wie der Song sagt, und wir haben unsere Hoffnung." Diese Einstellung ist es, die Bozoma Saint John vermitteln will. Damit es andere wie sie dorthin schaffen, wo sie heute ist: ins Silicon Valley, zu Apple, als Einhorn der Branche.

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