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Vorwürfe gegen private Handelshochschule:Schmeckt nach Leipziger Allerlei

Absolventen der Handelshochschule Leipzig

25 000 Euro und mehr zahlen junge Menschen, um an der Handelshochschule Leipzig studieren zu dürfen. (Im Bild: Absolventen feiern ihren Abschluss.)

(Foto: dpa)

Geld für Möbel statt für neue Kooperationsprojekte: Der Handelshochschule Leipzig wird vorgeworfen, Staatshilfen zweckentfremdet zu haben. Ein Bericht des Rechnungshofs zeigt, wie stark die private Uni am Tropf des Ministeriums hängt.

Eine private Business School kommt seit ihrer Neugründung vor mehr als 20 Jahren nicht ohne staatliche Mittel aus - als vor einigen Tagen wieder mal von Schieflagen an der Handelshochschule Leipzig (HHL) die Rede war, da steckten in dieser Nachricht gleich zwei bittere Bonmots. Eine seit zwei Jahrzehnten staatlich geförderte, private Eliteschule? Das ist schon was. Und dann noch eine, bei der Graduate School of Management an der Tür steht? Das wäre nun wirklich lustig - wenn der Witz die Allgemeinheit nicht so teuer zu stehen käme.

Die HHL wurde 1898 das erste Mal gegründet, sie gilt als Deutschlands älteste betriebswirtschaftliche Hochschule. Ihr Renommee bezieht sie nicht allein aus ihrer Tradition: In der Selbstdarstellung sieht sie sich als "Innovationstreiber", 550 junge Menschen studieren derzeit an der HHL, für verschiedene Master-Programme zahlen sie Gebühren von 25 000 Euro und mehr. Mit diesem Geld aber kommt die HHL offenbar nicht hin, weshalb der Sächsische Rechnungshof in seinem aktuellen Jahresbericht gleich drei Felder benennt, in denen die Hochschule in erheblichem Maß Unterstützung durch das Land erfährt - in erstaunlich erheblichem Maß.

Erstens: Der Freistaat hatte der HHL nach deren Neugründung ein zinsloses Darlehen über 20 Jahre gewährt, Höhe: 25 Millionen Mark. Die HHL sollte mögliche Verluste daraus bedienen, und das Darlehen mit ebenso erhofften Gewinnen hernach wieder abbezahlen; der Kredit wurde 2008 vorzeitig um sechs Jahre verlängert, zuletzt war der verfügbare Betrag auf sechs Millionen Euro gesunken; der Rechnungshof kritisiert zudem die mangelnde Prüfung der Verwendung der Mittel durch das Wissenschaftsministerium.

Sachsen verzichtet auf Mieteinnahmen

Zweitens: Die HHL ist in landeseigenen Liegenschaften untergebracht, zahlt aber nur Renovierungs- und Mietnebenkosten. Nach dem Bezug eines Erweiterungsbaus wird Sachsen auf Mieteinnahmen von geschätzt jährlich 620 000 Euro verzichten. Der geldwerte Vorteil, welcher der HHL daraus entsteht, wurde ihr bei der Förderung bislang nicht angerechnet.

Drittens: Zusätzliche Unterstützung beim Ministerium beantragte die HHL 2011 und 2012 - jeweils 700 000 Euro wurden zur Intensivierung der Kooperationsbeziehungen mit der Uni Leipzig überwiesen. Laut Rechnungshof aber waren bereits im Förderantrag mehr als die Hälfte der Mittel "für die Möblierung und die technische Ausstattung von Räumlichkeiten" vorgesehen.

Da kann nicht verwundern, wenn Thomas Lenk, Prorektor der Universität Leipzig, jetzt dem manager magazin sagt: "Ich kann mir jedenfalls nicht erklären, inwiefern sich die Zusammenarbeit mit der HHL seitdem verbessert haben soll". Auch das Ministerium blieb in der jüngsten Sitzung des Haushaltsausschusses "konkrete Projektbeschreibungen schuldig", sagt die grüne Abgeordnete Annekathrin Giegengack.

Und die HHL? Hat eine Rückförderung des Ministeriums wegen der falschen Verwendung der Mittel inzwischen beglichen und verbreitet eine Mitteilung, die nach Leipziger Allerlei schmeckt: "Die HHL hat die bereitgestellten Mittel nicht in vollem Umfang, sondern vielmehr insoweit abgerufen, wie sie nach Maßgabe des Haushaltsgesetzes am besten eingesetzt werden konnten."

Wenig trösten dürfte alle Beteiligten, dass die Hochschule mit ihren finanziellen Schwierigkeiten nicht allein dasteht. Immer wieder geraten private Hochschulen in Not, erst im März hatte etwa die Humboldt-Viadrina School of Governance Insolvenz anmelden müssen. Mit deren Eröffnung hat sie in diesen Tagen ihre Aktivitäten eingestellt.

© SZ vom 10.06.2014/jobr
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