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Unterricht in Berlin:Berliner Matheprüfung war "Pillepalle"

  • Offenbar ist die zentrale Matheprüfung für Berliner Zehntklässler dieses Jahr besonders leicht ausgefallen.
  • Dem Tagesspiegel gegenüber beklagen Lehrer das geringe Niveau der Aufgaben, die Berliner Bildungsbehörde widerspricht.

Um den Schulerfolg ganzer Jahrgänge zu erhöhen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder verbessert man den Unterricht, stellt mehr kompetente Lehrkräfte ein und versucht, auch Schüler aus bildungsfernen Schichten einzubinden und zu motivieren. Das kostet allerdings viel Geld und - bis tatsächlich Veränderung spürbar ist - auch Zeit. Gratis und umgehend wirksam ist Möglichkeit Nummer Zwei: Die Prüfungsaufgaben werden leichter, die Schüler sammeln mehr Punkte, bekommen bessere Noten und auch ehemalige Durchfaller-Kandidaten erhalten ihren Abschluss.

Berlin hat sich offenbar für den einfachen Weg entschieden. Gerade haben die Zehntklässler in der Hauptstadt ihre zentralen Mathematikprüfungen geschrieben. Die Tests, die es in unterschiedlichen Fächern gibt, entscheiden darüber, ob die Jugendlichen einen Abschluss bekommen. Mit diesem können sie dann entweder eine Ausbildung beginnen oder in die gymnasiale Oberstufe wechseln. Dieses Jahr sind die Aussichten auf ein Bestehen besonders gut, denn zumindest die Matheaufgaben sollen 2016 besonders leicht gewesen sein. "Pillepalle" wie es der Konrektor einer Schule gegenüber dem Berliner Tagesspiegel ausdrückt.

In Bayern "undenkbar"

Tatsächlich bemängeln zahlreiche Berliner Mathelehrer der Zeitung zufolge das niedrige Niveau der Prüfung. Und das will schon etwas heißen, haben doch die meisten Lehrer ebenfalls ein Interesse am guten Abschneiden ihrer Klassen. Eine Gymnasiallehrerin berichtet von "hochgekrümmten Zehennägeln" beim Anblick von Aufgaben wie dieser: "Gegeben sind die Ziffern 2, 3 und 6 - geben Sie die größte dreistellige Zahl an, die mit diesen gebildet werden kann."

Bei der Bildungsverwaltung von Berlin ist man sich keiner Schuld bewusst. Eine signifikante Häufung einfacher Aufgaben sei nicht beobachtet worden, zitiert der Tagesspiegel die Behörde. Wie immer sei die Prüfung "vorab pilotiert" worden. Aus "prüfungsdidaktischer Hinsicht" könne es durchaus sinnvoll sein, "durch eine einfache, einführende Fragestellung die Aufmerksamkeit der Schüler auf bestimmte Gesichtspunkte zu lenken, die für die folgende Bearbeitung der folgenden Aufgaben wichtig sind".

Ein vernichtendes Urteil kommt hingegen aus Süddeutschland. Der bayerische Realschullehrerverband hält eine derartige Abschlussprüfung im eigenen Bundesland für "undenkbar". Viele Aufgaben lägen auf bayerischem Siebtklässler-Niveau. Wie das Prüfungsniveau im Vergleich tatsächlich ausfällt, lässt sich in zwei Wochen feststellen - dann steht auch in Bayern der "Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule" - kurz "Quali" - an.

© SZ.de/ sks/feko

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