Studium:Wie es mit den Elite-Unis weitergeht

Pk zur Evaluation der Exzellenz-Initiative

Der Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden

(Foto: dpa)
  • Im September 2014 hatte eine Expertenkommission mit der Evaluation der Exzellenzinitiative und ihrer Auswirkungen auf das deutsche Wissenschaftssystem begonnen.
  • Nun hat die Kommission ihr Fazit präsentiert - und das fällt positiv aus.

Von Ulrike Nimz

Dieter Imboden wird das ein oder andere feuchte Händchen geschüttelt haben während der Bundespressekonferenz in Berlin. Schließlich gilt das Gutachten, das der Züricher Umweltphysiker im Gepäck hatte, als Grundlage für eine der wichtigsten bildungspolitischen Entscheidungen des Jahres: Wie geht es weiter mit den Elite-Unis in Deutschland?

Im September 2014 hatte die von Bund und Ländern eingesetzte zehnköpfige Expertenkommission unter Leitung von Imboden mit der Evaluation der Exzellenzinitiative und ihrer Auswirkungen auf das deutsche Wissenschaftssystem begonnen. Das Fazit am Freitag fiel erwartungsgemäß positiv aus: Die Exzellenzinitiative habe zwar kein deutsches Harvard oder Cambridge hervorgebracht, seine Wirkung aber nicht verfehlt. Das Hochschulsystem sei dynamischer und international konkurrenzfähiger geworden. Gleichwohl sei eine Verbesserung des 4,6 Milliarden Euro teuren Programms nötig, um "auf Augenhöhe mit den Besten" der Welt zu gelangen, so Imboden.

Der 2005 von der damaligen Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ins Leben gerufene Wettbewerb fördert Konzepte in drei Kategorien: die Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, die Exzellenz- oder Forschungscluster - das sind fachübergreifende Forschungsprojekte in Kooperation mit Wirtschaft und Wissenschaft - sowie "Zukunftskonzepte" zum Ausbau universitärer Spitzenforschung an den sogenannten Exzellenz-Unis.

eliteunis

Die deutschen Elite-Universitäten

Für die Fortsetzung der Initiative bis 2028 schlägt das Gremium nur noch zwei statt drei Förderlinien vor: eine für Exzellenzcluster II und eine sogenannte Exzellenzprämie. Diese Prämie in Höhe von 15 Millionen Euro pro Jahr tritt an die Stelle der bisherigen Zukunftskonzepte und soll nach Ansicht der Experten jene Universitäten stärken, "welche sich aufgrund bisheriger Leistungen als zur Spitze gehörend ausgewiesen haben". Die Vergabe soll ohne Antrag der Universitäten erfolgen, sondern nach einem Ranking, das sich auf die Gesamtleistung während der vergangenen sieben bis acht Jahre bezieht. Die Graduiertenschulen soll es künftig nicht mehr geben, Doktorandenausbildung sollte für jede Universität selbstverständlich sein, sagte der Kommissionsvorsitzende.

Kaum Vorteile hat die Exzellenzinitiative nach Ansicht der Kommission dem akademischen Nachwuchs gebracht. Die Schaffung von mehr Post-Doc-Stellen habe lediglich dazu geführt, dass eine große Zahl junger Menschen in der Hoffnung auf eine akademische Karriere die produktivsten Jahre ihres Lebens auf schlecht bezahlten und befristeten Positionen verbringe. Die Situation sei insofern "nicht ganz frei von Zynismus", dass die Universitäten von diesem Missstand profitierten. Das sei "ethisch problematisch" und insbesondere für Frauen abschreckend, heißt es in dem Gutachten.

Wie geht es nun weiter? Bundesbildungsministerin Johanna Wanka kündigte an, rasch über eine Exzellenzinitiative II zu entscheiden. Bis April soll ein Konzept über das Nachfolgeprogramm vorliegen, bis Juli müssen die Wissenschaftsminister in Bund und Ländern den Ministerpräsidenten ihren Vertragsentwurf zur neuen Exzellenzinitiative präsentieren. Danach beginnt der Wettbewerb der Hochschulen um die besten Exzellenz-Konzepte und die künftige Förderung. Die Expertenkommission um Imboden schlägt allerdings vor, die laufende Förderung um zwei Jahre bis 2019 zu verlängern, um den Druck auf die Hochschulen zu mildern: "Die Universitäten brauchen mehr Zeit zum Forschen, nicht zum Förderanträge Schreiben", hieß es in Berlin.

Unionspolitiker begrüßten am Freitag die Vorschläge der Expertenkommission. Die SPD hingegen würde lieber in die Breite fördern: Eine künstliche Verknappung an der Spitze auf eine Handvoll Universitäten werde der deutschen Hochschullandschaft nicht gerecht, hieß es aus der Bundestagsfraktion.

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