Studium:"Ein altmodischer Vorschlag für jüngste Lesegewohnheiten"

Max Weber: "Wissenschaft als Beruf"

"Das akademische Leben ist ein wilder Hasard." Ich rate daher unbedingt zu Max Webers Vortrag vor Studenten und Studentinnen (!), die schon 1919 wissen wollten, wozu ihr Studium später einmal gut sein sollte. Nichts bereitet besser auf die Zumutungen des heutigen Universitätsbetriebs vor, nichts ermutigt stärker, sich ihnen zu widersetzen, nichts wappnet besser vor Enttäuschungen. Wo findet man denn sonst ein so schönes Bekenntnis zu den akademischen Tugenden, ohne die es auch heute nicht geht: Sachlichkeit, Klarheit, Ausdauer, Präzision des Begriffs, geistige Rechenschaftspflicht und auch - immer noch, trotz allem - Wahrheitsliebe.

Barbara Stollberg-Rilinger, lehrt Frühe Neuzeit in Münster und bekam 2013 den Preis des Historischen Kollegs

1. Tiphaine Rivière: "Studierst du noch oder lebst du schon?" (Graphic Novel)

2. Jacques Derrida, "Die unbedingte Universität"

Hier treffen zwei französische Entwürfe von Universität aufeinander, die die Institution auf ihre je eigene Weise charakterisieren: der eine mit großartigen, zeichnerisch umgesetzten Beobachtungen und humorvoll vernichtend; der andere philosophisch und diese so wichtige Institution kritisch verteidigend. Beides ergänzt sich - und macht den eigenen Blick für die Erwartungen frei.

Anke Teheesen, Wissenschafts- und Medienhistorikerin an der HU Berlin

Theodor W. Adorno: "Minima Moralia"

Ein altmodischer Vorschlag für jüngste Lesegewohnheiten. Adornos großes Buch fordert zum Lesen und Gegenlesen auf, bleibt unempfindlich gegen sporadisches Auf- und Zuklappen und provoziert mit Appellen, Lebenslagen episodisch und systematisch gleichermaßen zu begreifen. Es ist geschrieben gegen die Scham oder Schande, ohnmächtig zu sein, und sträubt sich nicht gegen die Märchenmoral: Etwas besseres als den Tod werden wir überall finden.

Joseph Vogl, Literaturwissenschaftler und Kapitalismustheoretiker

Brigitte Reimann: "Franziska Linkerhand"

Dieser Roman zeigt, wie eine junge Frau auch unter widrigen Umständen pragmatisch und doch glaubwürdig bleibt. Das Leben in der DDR, das realistisch geschildert wird, lehrt sie letztlich mehr als Schule und Hochschule. Sie behält ihre Ideale, obwohl sie Nachteile in Kauf nehmen muss.

Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung

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