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Stipendienprogramm:Eine Auswahlkommission reiste nach Beirut, Istanbul und Amman

Alles tun, was geht - das sind inzwischen knapp dreihundert Studienplätze, nachdem auch die Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen die Idee mit 50 respektive 21 Förderungen unterstützen. Anders als der Bund hat Baden-Württemberg seine Studenten nicht im Nahen Osten angeworben, sondern zu Hause. Stuttgart nahm nur Stipendiaten, die als Flüchtlinge ins Land kamen.

Das könnte auch mit dem Aufwand zu tun haben, den der Deutsche Akademische Austauschdienst bei den übrigen Bewerbern betrieb. Genauer gesagt: betreiben musste. Zur Bewerbung gehörte nicht nur ein ausführlicher schriftlicher Antrag. Um sicherzugehen, dass man sich nicht auch problematische Studenten ins Land holt, reiste eine Auswahlkommission direkt in die Region, also nach Beirut, Istanbul und Amman, um die letzte Entscheidung bei jedem Einzelnen erst nach einem persönlichen Gespräch zu fällen. Beworben hatten sich 5000 Menschen, die in Syrien oder im Exil in den Nachbarländern leben. In die engere Auswahl kamen schließlich 500.

Einige Stipendiaten scheuen politische Worte

Laith Rastanawi hat, als er die Zusage bekam, drei Tage mit seinen Freunden, seiner Frau, seinem Bruder gefeiert. Auch aus Dankbarkeit verspricht er, später sein Land wieder aufzubauen. Er will daran keine Zweifel aufkommen lassen, auch weil seine Träume sich an einem neuen, einem anderen Syrien festmachen.

Andere Stipendiaten klingen vorsichtiger. Sie scheuen politische Worte. Bis heute fürchten sie Repressalien für sich oder ihre Familien, die noch in Syrien leben. Sei es, weil diese Familien gegen das Regime von Baschar al-Assad kämpfen. Sei es, weil die Familien in Damaskus leben und dem Regime eher nahestehen dürften. An der Stelle, sagt der DAAD, habe man bewusst keine Unterscheidung getroffen. Jeder sollte eine Chance haben.

© SZ vom 04.01.2016/sks

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