bedeckt München 19°
vgwortpixel

Sächsisch für Anfänger:"Isch mach glei ä bissl mit!"

Neuankömmlinge müssen sich in Dresden auch mit dem Dialekt zurechtfinden. Damit sie nicht "nu" mit "nein" verwechseln und bei "Bibo" an die Sesamstraße denken: Ein Glossar als Hilfestellung.

Bäbe: Damit meinen die (meist älteren) Sachsen Rühr- oder Sandkuchen.

bebbln: Kicken, also Fußball spielen - ohne dabei ein großer Könner sein zu müssen.

Bemme/ Bämme: Wenn Klein-Oskar in Dresden "Knast", also Hunger, hat, macht ihm seine Mutti auf die Schnelle gern eine "Bemme", also eine belegte Scheibe Brot. Zum Beispiel mit Schmalz ("Fettbemme") oder Leberwurst ("Läberwurschdbemme"). Spätestens wenn Oskar groß ist und schon studiert, sollte er sich seine Bemme selbst schmieren.

Bermudadreieck (auch "bunte Ecke"): So heißt die Kreuzung Louisenstraße / Görlitzer Straße im Stadtteil Neustadt - und einer der bekanntesten Treffpunkte der Stadt. Im Sommer sitzen hier zuhauf Menschen auf den niedrigen Fensterbänken vor den Schaufenstern, auf Bordsteinen oder sogar auf der Straße. Die umliegenden Gründerzeit-Villen, eine hohe Kneipendichte und die vielen Spätshops machen diese Ecke von Dresden zum "Szeneviertel". Außerdem findet hier jedes Jahr am dritten Juni-Wochenende eines der größten Stadteilfeste Deutschlands statt (Bunte Republik Neustadt).

Beutelwiese: Umgangssprachlich für Dresden größten Wochenmarkt (immer freitags) auf der Lingnerallee am Hygienemuseum (Innenstadt). Hier gibt es vor allem Produkte aus Sachsen zu kaufen.

Bibo: Essenzieller Begriff für nicht-sächsische Erstsemester in Dresden. Fragt der Kommilitone: "Kommste noch mit in de Bibo?" meint er damit die Bibliothek. Das größere Äquivalent dazu ist übrigens die "Slub" - die Sächsische Landesbibliothek.

blägen / anblägen / rumblägen: Synonym für lautes Sprechen, Rufen oder Rumschreien. Beispiel: "Bläg misch ni so an, isch bin doch ni schwärhörsch!"

Bliemschngoffee (auch: Plörre, Plärre oder Lorke): Bekanntermaßen ist der Kaffee des Sachsen liebstes Getränk (--> Kaffeesachse). Doch nicht zu allen Zeiten gab es Kaffee in rauhen Mengen. Er wurde also mehrfach oder auch mit nur wenig gemahlenen Bohnen aufgebrüht. War der Kaffee schließlich so dünn, dass man das Blümchenmuster am Boden der Tasse erkennen konnte, wurde er als "Blümchenkaffee" bezeichnet. Der Ausdruck ist nach wie vor geläufig. Stadtführerin Bettina Schöne aus Dresden führt den Begriff auf die Zeiten des Kaffee-Importverbots unter Preußenkönig Friedrich II. zurück. Damals sei man auf die Idee gekommen, Ersatzkaffee aus den Wurzeln der blaublühenden Zichorie herzustellen, "Kaffee aus Blümchen" sozusagen.

boofen: In anderen Teilen der Republik sagt man umgangssprachlich "pennen" oder "poofen" für schlafen. Weil der Sachse harten Konsonanten nicht viel abgewinnen kann, heißt es im schönen Elbflorenz und Umgebung "boofen". Und das meint hier vor allem: Schlafen unter freien Himmel, gerne auch in Schlafsäcken in den Höhlen der Sächsischen Schweiz. Mit ganz viel Romandigg.

Cockerwiese: Gleich neben der --> Beutelwiese am Hygienemuseum liegt die Cockerwiese. Ursprünglich hieß sie mal Blüherwiese (oder Güntzwiesen), bis Joe Cocker 1988 einen Hauch von Woodstock und das Gefühl der großen weiten Welt nach Dresden brachte. Sein Konzert am 2. Juni ist für die Dresdner zur Legende geworden. Seit kurzem heißt die Cockerwiese nicht nur im Volksmund so, sondern auch ganz offiziell.

diddschn: Sächsisches Verb für (ein)tunken oder tauchen. Wenn zum Kaffee die --> Eierschecke aus ist und nur noch trockene Kekse vorhanden sind, dann wird das Gebäck kurzerhand in den Kaffee "gediddschd". Funktioniert auch mit Kakao, Milch oder Tee und gilt nicht als ungehobeltes Verhalten. Um ihre Tradition zu legitimieren, verweisen die Dresdner übrigens gerne auf ihren geliebten letzten "Geenich". Friedrich August III, allein erziehender Vater von sechs Kindern, habe seinem Nachwuchs sogar befohlen, den Kuchen zu "diddschn". Damit wendete er sich nicht nur gegen die Gouvernante, sondern einmal mehr gegen höfische Etikette. Dagegen ist der hübsche Satz "Nu machd Euren Drägg doch alleene!" nach seiner Abdankung leider historisch nicht einwandfrei belegt.

Eierschecke: Was dem Schwaben sein Hefezopf ist und dem Hamburger sein Franzbrötchen, ist dem Sachsen die Eierschecke. Den Blechkuchen hat jeder ortsansässige Bäcker im Sortiment. Er besteht üblicherweise aus drei Schichten: Zuunterst Rühr- oder Hefeteig, in der Mitte eine Quark-Vanillepudding-Masse, ganz oben ein Belag aus Eiern, Zucker, Butter und Vanillepudding. Eine weitere, flachere Variante ist die Freiberger Eierschecke, mit Rosinen und ohne Quark.

Studentenatlas So lebt es sich in der Uni-Stadt Dresden
Studentenatlas Dresden
Studium

So lebt es sich in der Uni-Stadt Dresden

Viele verbinden Dresden mit Pegida. Doch Dresden ist mehr: bei Studenten sehr beliebt, zum Beispiel. Neulinge fragen sich: Welches Viertel ist hip? Was bedeutet Bibo? Und wo hat man die beste Aussicht auf die Altstadt? Der Ratgeber von SZ.de und jetzt.de liefert Antworten.   Von Sibylle Rönisch (Text) und Katharina Bitzl (Illustration)