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Reform der Hochschulreife:Nur so eine Idee

Das Herumreformieren an der Reform soll durchaus aufgebrachte Eltern befrieden. Das Kürzel "G 8" hat sie und ihre Kinder in den vergangenen Jahren auf die Straßen und zur Verzweiflung getrieben. Es steht quasi als Synonym für: überfrachtete Lehrpläne und überforderte Schüler.

Wie aus einer Allensbach-Umfrage für den Deutschen Philologenverband hervorgeht, wird das G 8 vor allem in den alten Ländern skeptisch gesehen. Nur sieben Prozent der Befragten hielten die Verkürzung für gelungen, 22 Prozent sehen vorübergehende Probleme. 71 Prozent plädieren entweder für eine Rückkehr zu neun Jahren oder ein paralleles Angebot. Im Osten der Republik, wo es das G 8 teils seit der Wende gibt, ist die Zufriedenheit deutlich höher. Auch ist in Niedersachsen ein Volksbegehren für ein festes G-9-Comeback gescheitert.

In Hessen ist durch Bouffiers Äußerung eine Schuldebatte entbrannt. Bei den CDU-Delegierten in Darmstadt soll die Idee nur verhaltenen Beifall gefunden haben. Auch ist fraglich, wie eng die Absprache mit der neuen Kultusministerin Nicola Beer (FDP) war. Sie hat durch eine Kabinettsumbildung ihr Amt erst kürzlich erhalten und sogleich angekündigt: Es bleibt beim G 8.

Sie wolle aber klären, welche Möglichkeiten für die Schüler entstehen könnten, die sich vom G 8 überfordert fühlten. An hessischen Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe, für die jetzt schon eine G-9-Option vorgesehen ist, registriert man jedenfalls steigende Nachfrage. Während laut Statistischem Landesamt Gymnasialanmeldungen und generelle Schülerzahlen sinken, haben die Gesamtschulen Zulauf.

Über Jahre wurden alle Kritiker von G 8 von der CDU abgekanzelt und die berechtigten Anliegen von Schülern und deren Eltern ignoriert", sagte der Grünen-Abgeordnete Mathias Wagner. "Jetzt, nachdem bereits eine ganze Schülergeneration G 8 durchlaufen und durchlitten hat, sagt der Ministerpräsident faktisch: G 8, war nur so eine Idee von uns."

Die Bildungsgewerkschaft GEW in Hessen forderte flächendeckend die Rückkehr zu neun Jahren. Die Wahlmöglichkeit sei der falsche Weg, denn die "übergreifende Entscheidung" müsse durch die Politik fallen. Dies ist ein Argument, das in dieser Frage oft vorgebracht wird - dass nämlich durch Optionen die Schulstruktur noch mehr zu einem Irrgarten werde und die Mobilität von Familien innerhalb Deutschlands leide.

© SZ vom 19.06.2012/wolf
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