Kultusministerkonferenz KMK will Abitur bundesweit vergleichbarer machen

Das Abitur soll gerechter werden.

(Foto: dpa)
  • Nach einem aktuellen Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) soll das deutsche Abitur durch einen länderübergreifenden Aufgabenpool vergleichbarer werden.
  • Das zuständige Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen hat eine Auswahl der Prüfungsaufgaben online gestellt, um das geplante Niveau zu demonstrieren.
  • KMK-Chefin Brunhild Kurth bezeichnet die Pläne als "Meilenstein". Ob sich dadurch die Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen aber wirklich erhöht, ist mindestens fraglich.
  • Zudem verabschiedeten die Bildungsminister eine neue Strategie zur speziellen Förderung besonders leistungsstarker Schüler.

Was Abiturienten können sollen

Die Leistungen von Abiturienten sollen künftig deutschlandweit vergleichbarer sein. Um dieses gerade von der Kultusministerkonferenz (KMK) formulierte Ziel zu erreichen, sollen sich ab 2017 alle Bundesländer aus einem gemeinsamen Aufgabenpool bedienen. Wie die Tests in etwa aussehen könnten, lässt sich bereits jetzt online nachlesen. Im Fach Englisch werden es Prüflinge zum Beispiel mit diesem Niveau zu tun haben:

You are a participant in the international school project Successful Immigrants. Each participant is asked to contribute to the project website.

Outline Mr. Liu's career in Germany in an article for the project website, referring to his personal background and his principles.

Herr Liu, das muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, ist aus China nach Deutschland eingewandert und hat Karriere gemacht. Der Aufgabenstellung liegt dieser Text über das Leben von Herrn Liu bei, 2011 erschienen bei Spiegel Online. Ist das nun für einen Abiturienten im Fach Englisch eine einfache Aufgabe? Oder doch eine schwierige? Doch eigentlich kommt es auf schwierig oder einfach gar nicht so sehr an, wenn man sich den aktuellen Beschluss der KMK zum deutschen Abitur ansieht. Das Zauberwort lautet: vergleichbar.

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"Nicht Gleichförmigkeit, aber Gleichwertigkeit"

Auf dem Weg zu einem einheitlicheren und damit auch bundesweit gerechteren Abitur wollen die Bildungsminister der Länder bis in zwei Jahren mit der Nutzung des gemeinsamen Aufgabenpools vorankommen. Das beschloss die KMK einstimmig bei ihrer am Freitag zu Ende gegangenen Sommersitzung in Berlin. Das bei der Erstellung der bundesweit gültigen Prüfungsfragen federführende Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hat eine Auswahl von Aufgaben für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch online gestellt.

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Die vom IQB gemeinsam mit Länder-Experten erarbeitete Aufgabensammlung für die vier Fächer solle "nicht Gleichförmigkeit, aber Gleichwertigkeit erreichen", sagte IQB-Direktorin Petra Stanat. Die Länder könnten, müssten aber nicht für ihr jeweiliges Abitur auf den Pool zugreifen, betonten KMK-Präsidentin Brunhild Kurth (CDU) und Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Das bringt natürlich auch die berechtigte Frage auf: Wenn trotz gemeinsamen Aufgabenpools weiterhin jeder machen kann, was er will, ist dann tatsächlich so ein immenser Schritt Richtung Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen und -noten getan?

Für die amtierende KMK-Chefin Kurth scheint sich diese Frage nicht zu stellen. Der KMK-Beschluss sei angesichts jahrzehntelanger Unterschiedlichkeit des Abiturs in den Ländern "ein Meilenstein", sagte sie. Im Oktober 2012 hatte die KMK bereits gemeinsame Abi-Bildungsstandards in Deutsch, Mathematik und der fortgeführten Fremdsprache verabschiedet. Sie gelten für Reifeprüfungen ab dem Schuljahr 2016/2017. Die Standards sicherten langfristig ein gemeinsames Leistungsniveau. Dieser Weg werde mit dem Aufgabenpool nun fortgesetzt, hieß es.

Die Vergleichbarkeit des Abiturs in den Ländern war zuletzt wieder stärker in den öffentlichen Fokus gerückt - unter anderem durch Statistiken, wonach die Quote der Top-Noten mit einer Eins vor dem Komma in Thüringen mehr als doppelt so hoch ist wie in Niedersachsen. Inwiefern sich das zeitnah ändert und ob das Abitur tatsächlich künftig vergleichbarer wird, bleibt trotz der Bemühungen der Kultusminister aber mindestens fraglich.

Talente besser fördern

Zusätzlich zu den Bestrebungen bezüglich eines bundesweit möglichst gleichwertigen Abiturs haben die Kultusminister auch eine neue Strategie bei der Förderung leistungsstarker Schüler beschlossen. Dazu sollen vor allem die Fähigkeiten der Lehrer verbessert werden, "Überflieger" in ihren Klassen zu erkennen. Der Bund soll "im nächsten halben Jahr" aufgefordert werden, "unter Wahrung des Bildungsföderalismus" möglichst auch mit Finanzmitteln dieses neue Konzept zu unterstützen, sagte Präsidentin Kurth.

Ziel sei es, "den leistungsstarken Schülerinnen und Schülern Lernbedingungen zu schaffen, die ihnen eine optimale Entfaltung ihrer Potenziale ermöglichen". Bisher sei in der KMK ein Schwerpunkt auf die Förderung leistungsschwächerer Schüler gelegt worden. Diese sollten nun keineswegs vernachlässigt werden - vielmehr sei die Förderung der einen Schülergruppe mit der anderen "eng verwoben", sagte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD).