Kultusministerin:Schopper: Lehrermangel auch im nächsten Schuljahr

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Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) spricht bei einer Pressekonferenz. (Foto: Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild)

Lehrer fehlen zu Tausenden, immer wieder fällt Unterricht aus, der Job im Klassenzimmer wird stressiger und die Bezahlung reicht vielen nicht aus. Das wird sich auch nächstes Jahr nicht ändern. Land und Gewerkschaften suchen nach Lösungen.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Stuttgart (dpa/lsw) - Weil es an Nachwuchs für die Lehrerzimmer mangelt und Jahr für Jahr Tausende Stellen an den Schulen unbesetzt bleiben, dreht das Land an allen möglichen Stellschrauben. Dennoch macht Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper den bereits stark belasteten Schulen nur wenig Hoffnung auf baldig bessere Zeiten. Es sei schon jetzt absehbar, dass die freien Stellen im Sommer nicht durch fertig ausgebildete Referendare ersetzt werden könnten, sagte die Grünen-Ministerin mit Blick auf die Statistiken. Das heizt die Debatte über sogenannte Quereinsteiger, also Lehrer ohne klassische Ausbildung, wieder an.

„Es gibt ein Delta“, sagte Schopper der „Südwest Presse“ (Montag). Es müssten rund 5500 Stellen neu besetzt werden, es würden aber nur 4100 Referendare im Sommer erwartet, zudem seien im Schnitt pro Jahr rund 8000 Schwangere zu ersetzen. Das liege auch daran, dass Baden-Württemberg seit 2010 rund 50.000 junge Lehrkräfte eingestellt habe, darunter sehr viele Frauen. „Da stehen jetzt oft Familienphasen an, viele nehmen Elternzeit und arbeiten in Teilzeit“, sagte Schopper. Um die Lücken zu füllen, müsse das Land aus dem Bestand schöpfen. Die Ministerin setzt auf freiwillige Mehrarbeit, Pensionäre und Quereinsteiger. Nach ihrer Einschätzung wird die Unterrichtsversorgung „sich im selben Korridor wie zuletzt bewegen“.

Mangelregionen werde es aber immer geben. „Viele Bewerber wollen nicht nach Waldshut oder auf die Schwäbische Alb. Sie nehmen lieber eine befristete Vertretungsstelle in Freiburg oder Heidelberg als einen Beamtenposten, für den sie umziehen müssten.“ Selbst der Raum Stuttgart sei inzwischen eine Mangelregion.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) rechnet sogar mit mindestens 2000 fehlenden Lehrerinnen und Lehrern zum Sommer. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Daten bislang immer zu niedrig waren.“ Der VBE-Bundes- und Landesvorsitzende Gerhard Brand lobte aber auch die Offenheit Schoppers. „Da scheint offensichtlich ein Paradigmenwechsel stattgefunden zu haben“, sagte er am Montag in Stuttgart. „Politik muss sich ehrlich machen. Und das tut die Ministerin. Es wird nichts mehr versteckt oder verschleiert, sondern es wird kommuniziert.“

Die Lage werde dadurch aber nicht besser, sagte Brand. „Wir müssen raus aus der Mangelverwaltung. Die Politik muss vom Sprechen ins Handeln kommen.“ Es sei wichtig, weiterhin und zunehmend Quer- und Seiteneinsteiger an den Schulen einzusetzen, also Lehrkräfte ohne ein originäres Lehramtsstudium. Verlasse man sich nur auf neue voll ausgebildete Lehrkräfte an den Schulen, werde sich die Lage zuspitzen, warnte Brand. „Wenn man es aber richtig macht, dann können Quer- und Seiteneinsteiger mittelfristig helfen, den Lehrkräftemangel zu lindern und die Unterrichtsversorgung zu verbessern.“

Außerdem müssten Grundschullehrkräfte und Bestandslehrkräfte an Haupt- und Werkrealschulen besser bezahlt werden. Kontraproduktiv seien höhere Deputate, größere Lerngruppen und schlechtere Chancen auf die Teilzeit. „Der Karren steckt tief in der Grütze“, sagte Brand.

Schopper machte deutlich, dass sie trotz des massiven Lehrermangels nichts von befristeter Mehrarbeit für Lehrerinnen und Lehrer hält. Man habe Erfolge mit freiwilliger Mehrarbeit, aber viele Lehrer seien am Anschlag, sagte sie. „Wenn wir denen jetzt noch mehr aufbrummen, kommen wir in Teufels Küche.“ Vielmehr versuche man, mehr Seiten- und Direkteinsteiger zuzulassen. „Wir schauen, welche Wechsler aus anderen Branchen wir integrieren, welche ausländischen Abschlüsse wir akzeptieren und wie wir berufsbegleitend qualifizieren können.“ Den einen Königsweg gebe es aber nicht.

Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht weitere Qualifizierungsangebote für Menschen ohne Lehramtsausbildung als überfällig an. „Wir sind an den Schulen auf diese Menschen angewiesen, da es die Landesregierung nicht geschafft hat, genug Lehrerinnen und Lehrer auszubilden“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein und warnte: „Wir dürfen die Qualität des Unterrichts nicht vergessen.“ Quereinsteiger bräuchten berufsbegleitend und von Anfang an hochwertige und intensive Fortbildungen. „Mit einer Schnellbleiche ist es nicht getan“, sagte Stein in Freiburg.

Auch für die Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) ist der Seiteneinstieg in den Lehrerberuf eine Stellschraube, sofern die Qualitätsstandards gewahrt blieben. „Quereinsteigende können eine Bereicherung sein, zumal mit Erfahrungen aus der Berufswelt“, sagte der UBW-Geschäftsführer für Politik, Bildung und Arbeitsmarkt, Stefan Küpper. Ebenfalls wichtig sei es, über eine Lebensarbeitszeit, die Anzahl der Unterrichtsstunden bei Teilzeitlehrkräften und eine gezielte Berufsorientierungs-Offensive nachzudenken.

© dpa-infocom, dpa:230306-99-845211/6

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