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Klassenkampf - der Schulratgeber:Liebe Lehrer, wir müssen reden

Manchmal ist schon das Zustandekommen eines Eltern-Lehrer-Gesprächs nicht einfach.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Nicht alle Eltern haben Zeit, reguläre Sprechstunden in der Schule zu besuchen. Muss sich der Lehrer anderweitig Zeit fürs Elterngespräch nehmen? Was, wenn er das verweigert?

Die Leserfrage

Meine Frage bezieht sich auf den Kontakt und Austausch zwischen Eltern und Lehrern. Leider habe ich an der bayerischen Realschule, die meine Kinder besuchen, viele enttäuschende Erfahrungen gemacht. Lehrer nehmen sich für Elterngespräche kaum Zeit, schon gar nicht außerhalb von Sprechstunden oder Elternabenden. Auch für Schüler sind die Lehrkräfte kaum erreichbar. Daher wüsste ich gerne:

Darf eine Lehrkraft bestimmen, wann und wo ein Elterngespräch stattfindet, oder ist sie vielmehr verpflichtet, auf Eltern und ihre zeitlichen Einschränkungen einzugehen? Darf sie Kollegen oder Schulleitung einfach dazubitten, ohne vorab zu fragen, ob das den Eltern recht ist? Was passiert, wenn eine Lehrkraft die Zusammenarbeit mit Eltern verweigert?

Die Antwort

Schulen sollen den Kindern und Jugendlichen nicht nur Wissen mit auf den weiteren Lebensweg geben, sondern im Zusammenwirken mit den Eltern auch soziale Kompetenzen vermitteln. Von einer "gemeinsamen Erziehungsaufgabe, die Schule und Erziehungsberechtigte zu erfüllen haben", spricht das Bayerische Gesetz über das Erziehungs und Unterrichtswesen (BayEUG). Dies erfordere "eine von gegenseitigem Vertrauen getragene Zusammenarbeit".

Damit eine solche Zusammenarbeit klappt, ist eines natürlich essenziell: Kommunikation, und zwar keine einseitige. Die zu ermöglichen, ist eine der Aufgaben der Schule und insbesondere der zuständigen Lehrkräfte. Dabei sollen Lehrer auch Rücksicht darauf nehmen, dass bei berufstätigen Eltern der Gang in die wöchentliche Sprechstunde oft nicht möglich ist und ein Elternabend selten häufiger als einmal pro Halbjahr stattfindet.

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"Die Schule sollte bei Terminfestlegungen mit Eltern darauf achten, dass auch berufstätigen Müttern und Vätern die Teilnahme möglich ist", schreibt das bayerische Kultusministerium auf Anfrage. Das bedeutet, dass Lehrer zwar nicht konkret verpflichtet sind, jederzeit für Elterngespräche zur Verfügung zu stehen - das wäre auch wirklich sehr viel verlangt. Im Sinne einer guten Zusammenarbeit mit dem Elternhaus kann man aber eine gewisse Flexibilität von ihnen erwarten. So lassen sich aus Planungsgründen schwierig zu vereinbarende Gespräche zwischen Lehrern und Eltern auch bis zu einem gewissen Grad digital führen, also zum Beispiel per Mail. Das kann beide Seiten entlasten.

Im Austausch zwischen Schülern und Lehrern hat sich hier in den vergangenen Jahren dank technischem Fortschritt viel getan. So gibt es Lehrer, meist jüngere, die mit ihren Schülern gemeinsame WhatsApp-Gruppen gründen, dort Hausaufgaben posten und auch am Wochenende kurze Fragen beantworten. Andere Lehrkräfte bieten an, Übungsaufgaben per Mail zukommen zu lassen. Rechtlich ist der digitale Kontakt zwischen Lehrer und Schüler zwar in den meisten Fällen nicht erlaubt - für viele junge Lehrkräfte ist er dennoch Usus.