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Fremdsprachen in der Grundschule:Mindeststandards für den Englischunterricht an Grundschulen fehlen

Studien über die Auswirkungen des frühen Französischunterrichts fehlen. Für das Fach Englisch ist 2015 die Untersuchung "Der Lernstand im Englischunterricht am Ende von Klasse 4" des sogenannten BIG-Kreises erschienen, ein Zusammenschluss von Fachdidaktikern. Als Grundlage dienen die Befragung und Leistungsermittlung bei 2148 Schülern aus ganz Deutschland. Die Autoren sprechen von akzeptablen Ergebnissen beim Schreiben, von sehr akzeptablen Ergebnissen beim Hörverstehen und von sehr erfreulichen Ergebnissen beim Leseverstehen. Mehr als 80 Prozent der Schüler nannten das Fach Englisch "cool".

In der Realität gebe es große Unterschiede bei den Kenntnissen. "Die einen haben einen überwiegend spielerisch aufgezogenen Unterricht erlebt, die anderen mit fast gymnasial-propädeutischen Verfahren gelernt", schreiben die Autoren und fordern die Kultusministerkonferenz auf, "baldmöglichst verbindliche (Mindest-)Standards für den Englischunterricht in der Grundschule zu entwickeln". Ansonsten werde auch künftig in der fünften Klasse viel Unterrichtszeit darauf verwendet werden, die Schüler auf einen einheitlichen Lernstand zu bringen.

Wahl- oder Pflichtfach

Bereits seit dem Schuljahr 2005/2006 ist in allen Bundesländern an Grundschulen eine Fremdsprache für den Unterricht vorgeschrieben. Dabei handelt es sich in der Regel um das Fach Englisch - eine Ausnahme bilden das Bundesland Saarland sowie die Grenzregionen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, wo Französisch in der Grundschule unterrichtet wird. Es gibt auch weitere Fremdsprachen in Grundschulen - als freiwilliges Angebot an öffentlichen Schulen, zum Beispiel als Arbeitsgemeinschaft in Türkisch, Kurdisch oder Polnisch für Kinder mit dieser Muttersprache. Zudem können Kinder an einigen privaten Grundschulen, etwa solchen mit kirchlichen Trägern, als Wahlfach die Fremdsprache Spanisch erlernen.

Keine Aussage macht die Studie zu der Frage, in welcher Grundschulklasse der Fremdsprachenunterricht beginnen soll. Baden-Württemberg begründet den künftigen späteren Beginn auch mit der Empfehlung für eine Fremdsprache ab der dritten Klasse durch den Expertenrat "Herkunft und Bildungserfolg" unter Leitung des Bildungsforschers Jürgen Baumert aus dem Jahr 2011. Zudem stützt sich das Ministerium auf eine Studie des Instituts für Schulentwicklungsforschung der Uni Dortmund, wonach Schüler in Nordrhein-Westfalen (NRW), die in der ersten Klasse mit Englisch begonnen haben, sieben Jahre später leistungsschwächer in diesem Fach sind als Kinder, die damit in der dritten Klasse gestartet sind.

Der Beginn ab der ersten Klasse ist außer in Baden-Württemberg noch in Hamburg und Rheinland-Pfalz die Regel. In NRW startet die Fremdsprache flächendeckend in der zweiten Klasse, in allen anderen Bundesländern ein Schuljahr später.