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Freiburg startet Esoterik-Studium:Der Hype um Yoga hat sicher nicht geschadet

Meist aber ist es die zeitlose philosophische Frage nach dem Wesen des Menschen, die die vielen Studenten zum Professor nach Freiburg zieht. Der Hype um Yoga und Meditation aber hat dem Studiengang sicher auch nicht geschadet. Stiftungsmitarbeiterin Arnhild Zorr-Werner etwa ist aus Lüneburg angereist, weil sie verstehen will, warum die beiden Praktiken ihr so viel geben.

Am vergangenen Freitag steht sie mit den anderen Studenten beim Empfang im Lesesaal der Theologischen Fakultät. Uhde spricht von der Freiheit, die Spiritualität für den Menschen bedeuten kann. Die Freiheit, seinem Leben einen Sinn zu verleihen. Dass auch eine Milchkanne Vorbild sein kann, weil sie nützlich, dabei aber bescheiden sei.

Die Worte hallen durch das düstere Bibliothekszimmer, in dem es schwül und stickig ist. Freiheit ist das nicht zu nennen, die ist eher da draußen in der Freiburger Frühlingsluft. Der Blick aus dem Fenster im dritten Stock führt über die Dächer der Altstadt Freiburgs. Irgendwo da draußen sitzt eine weitere illustre Institution, mit der sich die Stadt seit 1950 schmückt: dem "Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene". Freiburg, bisher Hauptstadt der Parapsychologen, ist nun also auch Studienhort der Esoteriker.

Butscher und seine Kommilitonen werden sich vier Semester lang neben ihrem Beruf von daheim aus mit Religionsphilosophie beschäftigen. Sie werden Kant lesen, sich mit Nietzsche und Theresia von Avila vertraut machen. Und sie werden sich an ein paar Wochenenden treffen, meditieren und erfahren, wie die Hirnforschung dazu steht. "Das macht unser Studium einzigartig, die Verbindung von Theorie und Praxis", sagt Uhde.

Lehrstühle für Esoterik gibt es seit 1965, an der Sorbonne in Paris etwa. In diesen Instituten gebe es aber entweder keine praktischen Inhalte oder ein vorgeschriebenes Weltbild, sagt Uhde. Er träumt von einer umfassenden universitären Erforschung des Phänomens. Raus aus der Schmuddelecke. Im Lesesaal nimmt an diesem Tag ohnehin niemand das Wort Esoterik in den Mund - der Wille, möglichst seriös zu wirken, eint Lehrer und Schüler hier schon am ersten Tag.

Es stört keinen hier, dass die Stiftung "West-östliche Freiheit", die der umstrittene Benediktiner und Zen-Meister Willigis Jäger gegründet hat, das Studium mitfinanziert. Dessen Glaube an eine transkonfessionelle Spiritualität, die über den Dingen schwebt, könne ja im Laufe der Forschungen genauso gut widerlegt werden, sagt Uhde. Ein wenig skeptisch gibt sich der Professor dann aber doch. "Vielleicht bewirkt unser Studium ja auch, dass einige der Teilnehmer ihre eventuell kritikarme Sicht auf die Esoterik korrigieren", sagt er. Und am Ende im Nilpferdmaul kein Zeichen Gottes sehen, sondern einfach eine große Schnauze.

© SZ vom 14.05.2012/fran
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