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Entscheidung nach dem Abi:Karrierechancen sprechen für ein Studium

Trotz aller Argumente für eine Lehre gilt: Eine Ausbildung um der Ausbildung willen sollte man auf keinen Fall machen. Voraussetzung sei, dass sie den eigenen Interessen entspreche, rät Verse-Herrmann. Außerdem sollte eine inhaltliche Verknüpfung zu einem möglichen späteren Studium bestehe, das immer eine weitere Option nach der ersten Berufsausbildung sei.

Denn unter dem Strich sprechen Verdienst- und Karrierefaktoren ganz klar für ein Studium. Akademiker bekommen in ihrem Berufsleben statistisch gesehen nicht nur deutlich mehr Gehalt als ihre Kollegen ohne Studienabschluss. Auch die Gefahr, arbeitslos zu werden, ist mit einem abgeschlossenen Studium weitaus geringer. Akademiker haben außerdem bessere Karrierechancen: Sie werden eher befördert und haben insgesamt bessere Aufstiegsmöglichkeiten. Schulabgänger, die vor der Entscheidung stehen, müssen sich diese Weichenstellung für ihr gesamtes Berufsleben bewusst machen - auch wenn nach zwölf, 13 Jahren Schule vielleicht erst einmal die Praxis lockt.

Hinzu kommt, dass in vielen Branchen der Hochschulabschluss entweder Voraussetzung oder Standard ist. Und das nicht nur bei Ärzten oder Anwälten, auch in frei zugänglichen Berufen wie dem Journalismus tun sich Bewerber ohne akademische Ausbildung mittlerweile schwer.

Analytisches Denken lernen

Der Grund dafür sind nicht nur das mit einem Studium verbundene Ansehen oder das Fachwissen und die vielfältigen Qualifikationen, die an Hochschulen vermittelt werden. Studenten lernen darüber hinaus auch, eigenständig zu denken und zu arbeiten, Probleme strukturiert und analytisch zu lösen, sich selbstständig Wissen anzueignen und es anzuwenden.

Über die fachlichen und beruflichen Qualifikationen hinaus bietet ein Studium - selbst angesichts der Klagen über die Verschultheit des Bachelorstudiums und den dort herrschenden Druck - immer noch die Möglichkeit, weitgehend frei von äußeren Zwängen das zu lernen, was einem Spaß macht. Studenten können sich, anders als in der Schule, einige Jahre lang auf das konzentrieren, was sie wirklich interessiert, und so ihren Horizont erweitern.

Es gibt vieles, was für eine Ausbildung spricht, und vieles, was ein Studium reizvoller macht. All die Vor- und Nachteile müssen Abiturienten selbst gewichten und sich vor allem überlegen, was ihnen besonders wichtig ist und was zu ihnen passt. Der eine hat vielleicht nach der Schule genug vom Lernen und will endlich arbeiten. Die andere hat sich eine steile Karriere vorgenommen, bei der das Hochschulstudium ein wichtiger Baustein ist. Wieder ein anderer will vielleicht lieber rasch Geld verdienen und eine Familie gründen.

Letztendlich ist die Entscheidung von den eigenen Wünschen und Interessen und der eigenen Lebensplanung abhängig. Wer sich unsicher ist, muss aber nicht verzweifeln, denn weder Studium noch Ausbildung sind Sackgassen. Im Zweifelsfall geht auch beides: Wer nach der Ausbildung Lust auf mehr hat, kann immer noch ein Studium beginnen.