Dokumentation Wie gut die Schule ist, hängt vor allem vom Lehrer ab

Dass Christiane Umbach, die Klassenlehrerin im Film, die Schüler jeden Tag mindestens zwei Schulstunden und in verschiedenen Fächern unterrichtet, ermöglicht ihr, die Kinder und ihre verschiedenen Talente sehr gut kennenzulernen. Dabei entsteht eine Beziehung zwischen ihr und den Schülern, die man an einer Regelschule kaum findet. "Weißte", sagt ein Junge zu ihr, der sich über das Arbeitsverhalten eines Mitschülers beschweren will, "ich mach halt auch ein bisschen was anderes, aber ich mach halt dabei mit." Und die Lehrerin, die sonst sehr eloquent formuliert, kann ihre Schüler auch mal deutlicher zum Schweigen auffordern: "Jonas, halt die Klappe, bitte."

Für Maria Knilli ist die Antwort auf die Frage, was Kinder zum Lernen brauchen, nach jahrelanger Beobachtung vielleicht auch deshalb: eine intensive Beziehung zwischen Lehrern und Schülern. "Ich brauche Vorbilder, ich brauche Leute, die sich für mich interessieren", sagt die Filmemacherin. Alle Beteiligten wissen aber auch: Eine Schule ist immer so gut und so schlecht wie die Persönlichkeiten, die dort arbeiten - das gilt auch für Waldorfschulen, an denen vor allem die Klassenlehrer eine wichtige Rolle spielen und viele Freiheiten haben. Der Film zeigt die Biographie einer speziellen Klasse und ihrer Lehrerin, er kann nicht für alle Schulklassen stehen.

Schule "Jungen fühlen sich als Buhmänner"
Schule

"Jungen fühlen sich als Buhmänner"

An einem Gymnasium in Essen werden Schüler und Schülerinnen getrennt unterrichtet. Das soll vor allem den Jungen gerecht werden, ist aber umstritten.   Von Nadja Lissok, Essen

Und so ist die Waldorfwelt vielleicht auch nicht überall so familiär wie in der Klasse von Frau Umbach. Trotzdem gilt sie als behütet und immer wieder stellt sich die Frage, ob die Schüler draußen und ohne ihre Lehrer klarkommen. An der Waldorfschule geht man davon aus, dass die Kinder sich von allein abnabeln, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. "Wenn man seinen Unterricht in jüngeren Klassen gut macht, dann lieben und verehren einen die Kinder. Wenn sie durch die Pubertät gehen, haben sie das dringende Bedürfnis, sich zu emanzipieren" erklärt Henning Kullak-Ublick.

Auch wenn der Film die entscheidenden Jahre vor dem Übertritt ins Arbeitsleben nicht zeigt: Es wird deutlich, dass die Schule auch darauf vertraut, dass die Kinder mit den Erfordernissen der modernen Welt klarkommen, wenn sie das Lernen lernen, sich mit den Händen selbst zu helfen wissen, Urteilsfähigkeit und Selbstbewusstsein entwickeln. Kritiker hingegen werfen der Reformschule immer wieder vor, mit mittelalterlichem Handwerksunterricht nicht zeitgemäß auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Handwerksunterricht kommt nicht aus der Mode

Henning Kullak-Ublick sieht das anders: "Was ich feinmotorisch mit meinen Händen tun kann, hat sehr, sehr viel zu tun mit dem, was ich mit meinem Kopf machen kann." Das zeige die Hirnforschung. Und auch die Inszenierung von Shakespeare-Stücken sei pädagogisch hochaktuell: "Ein gutes Theaterstück erzählt vom Drama des Lebens", sagt Kullak-Ublick. Die Erfahrungen auf der Bühne sind intensiver als im Klassenzimmer. "Wenn man sich in eine Rolle hineinversetzt, lernt man, von sich selber mal abzusehen und etwas aus einem ganz anderen Blickwinkel zu erleben", sagt er. Eine wichtige Fähigkeit, die vielen Menschen heute fehle.

Auf meinem Weg wird am Dienstag, 16. Mai, ab 22.30 Uhr im BR-Fernsehen ausgestrahlt. Anschließend ist der Film, wie die ersten beiden Teile der Dokumentation, die die Klassenstufen eins bis drei (Guten Morgen, liebe Kinder) und vier bis sechs (Eine Brücke in die Welt) zeigen, in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks zu sehen und auf DVD erhältlich.

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