Digitalisierung in der Schule:"Manche Referendare können gerade mal ihr Smartphone bedienen"

Wie viele Tablets gibt es an Ihrer Schule?

Vier Wagen mit jeweils einem Klassensatz. Jede Lehrkraft kann sich einen Wagen holen. Die Tablets müssen nach Benutzung wieder einsortiert und ans Ladegerät des Wagens gehängt werden. Das vergessen Kollegen öfter mal. Dann kommt der nächste und findet leere Tablets vor. Die geplante Stunde kann er dann vergessen.

Was dann?

Plan B, analog. Man muss immer doppelt planen. Auf Dauer geht das nicht. Wir haben auch ohne die Digitalisierung sehr viel Arbeit dazu bekommen in den letzten Jahren, die Kinder werden nicht gerade einfacher, die Eltern auch nicht, da überlegt man genau, wofür man Zeit investiert.

Und was machen Sie, wenn die Tablets geladen sind?

Zum Beispiel lasse ich die Schüler in Englisch Shortstorys schreiben. Die laden sie dann auf die Lernplattform unseres Schulnetzwerks hoch, wo auch die anderen sie lesen und kommentieren können. Aber wir benutzen die Tablets auch für Mathematikprogramme, Biologie-Lehrvideos oder um in Physik Experimente anzuschauen, die mangels Zeit sonst ausfallen müssten.

Nutzen Lehrer die Lernplattform gern?

Von den 110 Lehrern an unserer Schule nutzen sie nur ganze wenige.

Warum denn das?

Weil sie sich da auch wieder einarbeiten müssen und viele das ohne Fortbildung gar nicht schaffen oder nicht willens sind, weil sie ohnehin mehr als ausgelastet sind.

Braucht es mehr Schulungsangebote?

Ja, und zwar spezifisch für jedes Fach. Mit Glück übernehmen das fitte Kollegen. Schulungen von Externen passen oft nicht ausreichend zu unserer Berufswirklichkeit.

Hängt das Interesse am Digitalen vom Alter ab?

Weniger als man denkt. Bei den gut 100 Referendaren, die ich pro Jahr in Medienerziehung ausbilde, können manche gerade mal ihr Smartphone bedienen, ein bisschen Whatsapp und Facebook, das war's.

Referendare sind jung, aber keine Digital Natives?

Die wenigsten. Zum Beispiel kennt sich keiner aus mit der für Schüler wichtigsten App nach Whatsapp und Instagram: mit Snapchat. Lehrer waren schon immer eine unterdurchschnittlich technikaffine Berufsgruppe. Viele haben mit Technik wirklich keinen Vertrag. Wer möchte, dass sie dennoch nutzbringend mit digitalen Mitteln arbeiten, muss sie intensiv schulen.

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