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Bildungsbericht 2014:"Deutschland ist eine Bildungsrepublik"

  • Bei der Debatte über den Bildungsbericht 2014 zeigt sich Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Bundestag zufrieden: "Deutschland ist eine Bildungsrepublik."
  • Die Oppposition kritisiert mangelnde Anstrengung im Bereich der inklusiven Bildung.
  • Der Bildungsbericht wird alle zwei Jahre von einem Team unabhängiger Wissenschaftler im Auftrag von Bund und Ländern erstellt.

Zufriedenheit bei der Regierung

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat die gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen für eine bessere finanzielle Ausstattung des Bildungs- und Forschungssektors gewürdigt. "Deutschland ist eine Bildungsrepublik", sagte sie bei einer Debatte über den Bildungsbericht 2014, der im vorigen Sommer veröffentlicht worden war. Wanka griff damit eine Formulierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) von 2008 auf.

Die Bildungsministerin wies in ihrer Rede auch auf Erfolge der Bundesregierung hin. So gebe es inzwischen weniger Schulabbrecher und mehr Studienanfänger in Deutschland. Um den Übergang von der Schule in Studium oder Ausbildung besser zu begleiten, habe sie zusammen mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) eine Milliarde Euro für Berufseinstiegsbegleitung zur Verfügung gestellt.

Eine Studie hatte kürzlich ergeben, dass die Berufswahl am Ende der Schulzeit fast der Hälfte der Jugendlichen sehr schwer fällt und sich mehr als ein Drittel der Schulabgänger nur unzureichend über Berufsmöglichkeiten informiert fühlt.

Bildung Abgehängt und alleingelassen
Bildung und Ausbildung

Abgehängt und alleingelassen

Merkels "Bildungsrepublik Deutschland" hat wichtige Ziele verfehlt: Zu viele Jugendliche brechen die Schule ab, Millionen haben keine Ausbildung. Das zeigt eine Studie, die der SZ vorliegt. Doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind erheblich.   Von Thomas Öchsner

Kritik aus der Opposition

Die Opposition warf der Bundesregierung mangelnde Anstrengungen bei der inklusiven Bildung vor. Der Bildungsbericht zeige, dass das Thema weiterhin stiefmütterlich behandelt werde, beklagte die behindertenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Katrin Werner. Von einer Umsetzung des "UN-Menschenrechts inklusive Bildung" sei Deutschland weit entfernt. Es fehle an Geld und neuen Maßnahmen. Länder und Kommunen bräuchten deutlich mehr Unterstützung als bislang. "Inklusion darf kein Sparmodell werden", so Werner.

Die behindertenpolitische Sprecherin der SPD, Kerstin Tack, sagte, dass es auf dem Weg zu einem wahrhaft inklusiven Bildungssystem noch viel zu tun gebe. Jeder brauche die Chance eines "gelingenden Bildungsweges". Dafür müssten Schulen und Lehrer besser und konsequenter auf die Aufgabe vorbereitet werden. Auch Ausbildungsbetriebe seien bei weitem nicht ausreichend auf Jugendliche mit Behinderungen ausgerichtet.

Wanka verteidigte die bildungspolitischen Anstrengungen der Regierung. Der Bildungsbericht beinhalte eine Analyse zur inklusiven Bildung, die einmalig sei. Zudem werde es mehr finanzielle Förderung für Forschungsprojekte zur Inklusion geben. Es sei jedoch keine gute Idee, den Ländern ein völlig neues System zur Inklusion aufzuzwängen, vielmehr müsse das "historisch gewachsene System" die Inklusion gut meistern.

Hintergründe zum Bildungsbericht

Der alle zwei Jahre von einem Wissenschaftlerteam im Auftrag von Bund und Ländern vorgelegte "Nationale Bildungsbericht" hatte im Vorjahr den Trend zu mehr Bildung deutlich gemacht. Danach lernen inzwischen viele Kleinkinder schon in der Kita, es gibt mehr Abiturienten, die Zahl der erfolgreichen Hochschulabsolventen steigt, in den Firmen wächst das Interesse an Weiterbildung. Trotzdem blieben immer noch zu viele Jugendliche ausgegrenzt, hieß es. Und: Der Bildungserfolg hängt in Deutschland weiterhin wesentlich von der sozialen Herkunft ab.

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