bedeckt München 24°

Abi auf Englisch:IB Diploma hilft vor allem bei Karrieren im Ausland

Hinter dem IB-Programm steht die private Stiftung International Baccalaureate Organization (IBO), die ihren Sitz in der Schweiz hat. In Deutschland gibt es derzeit 79 IB-Schulen, 29 davon sind staatlich, 50 haben einen privaten Träger.

Mit Ausnahme der privaten "International Schools", an denen ausschließlich das IB absolviert wird, ist das internationale Abitur an deutschen Schulen eine Zusatzqualifikation. Am normalen Abitur führt in der Regel kein Weg vorbei. Um das internationale Diplom vergeben zu dürfen, muss sich jede Schule von der IBO offiziell zertifizieren lassen - ein langer und nicht gerade günstiger Weg. Die Organisation erhebt für das Zertifikat jährlich Gebühren in Höhe von mehr als 8000 Euro pro Schule. Hinzu kommen teure Fortbildungen für die Lehrer und die notwendigen Lehrmaterialien. Um die Kosten zu decken, legen Eltern an Privatschulen drauf: Am Leonardo-da-Vinci-Campus beispielsweise zahlen sie neben dem üblichen Schulgeld von monatlich bis zu 411 Euro einmalig noch circa 1 000 Euro für das IB-Diplom ihrer Kinder.

An staatlichen Schulen werden die Kosten von der Stadt oder dem Land übernommen; die Schüler zahlen meist nur eine Prüfungsgebühr. Auch Sponsoren aus der Wirtschaft gibt es immer wieder. So konnte sich das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach am Neckar bei Stuttgart vor einem knappen Jahr zertifizieren lassen, unter anderem weil die umliegenden Industrieunternehmen ihre finanzielle Unterstützung zusagten.

Der innerdeutsche Arbeitsmarkt scheint also ein offenkundiges Interesse an Schülern mit zweisprachigem Abschluss zu haben. "Neben dem Fachwissen wird das Sprachwissen bei Bewerbungen immer wichtiger", bestätigt Klaus Münstermann, Berufsberater für akademische Berufe bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Vorrangig richte sich das Zusatzdiplom aber an diejenigen Schüler, die sich international orientieren, also zum Beispiel im Ausland studieren möchten.

Einen verbrieften Vorteil gibt es nicht

Die Plätze an ausländischen Universitäten sind oft hart umkämpft, da könne sich ein so umfangreicher Sprachnachweis durchaus auszahlen, schätzt Münstermann. Ein weiteres Plus: "Das IB Diploma wird gerade in naturwissenschaftlichen Fächern auf einem höheren Niveau unterrichtet als das deutsche Abitur. Das sieht man im Ausland gern."

Das internationale Diplom sei an vielen ausländischen Hochschulen außerdem bekannter als das deutsche Pendant, obgleich das deutsche Abitur meist auch akzeptiert wird, sagt der Berufsberater. Ein Blick auf die Webseiten renommierter Hochschulen wie der britischen Eliteuniversitäten Oxford oder Cambridge bestätigt diese Einschätzung: Der Abschluss wird ganz oben in der Liste zugelassener Abschlüsse geführt. Allerdings verlangen beide Hochschulen, dass ein überdurchschnittlich gutes IB Diploma vorgelegt wird. Oft bleiben IB-Schülern im Bewerbungsprozess an Universitäten auch Sprachtests erspart, manchmal können sie gar das erste Semester überspringen. Einen verbrieften Vorteil haben Bewerber mit der Zusatzqualifikation aber nicht.

Auch die Abiturientin Lea Hofmann ist sich nicht sicher, ob ihr das IB Diploma auf dem Papier viel bringt. Sie möchte Medizin studieren, am liebsten in den Niederlanden oder in Großbritannien. In den meisten Fällen kann sie bei der Bewerbung nur einen Abschluss einreichen - und da will sie wegen der besseren Note ihr normales Abiturzeugnis angeben. Das IB sei "einfach ein weiterer Mosaikstein" ihrer Bewerbung, der sie vor allem persönlich weitergebracht habe. Erst durch das Programm hat die 18-Jährige angefangen, sich sozial zu engagieren: "Auch wenn das ein bisschen kitschig klingt: Dadurch habe ich den Mut gewonnen, selbst etwas zu bewegen. Das will ich in Zukunft fortsetzen."

Das International Baccalaureate Diploma (IB Diploma) wurde 1968 von Lehrern der International School in Genf ins Leben gerufen, um Schülern eine gute Ausbildung auf den Weg zu geben und kulturellen Austausch sowie internationales Verständnis zu fördern. Nach Angaben der International Baccalaureate Organization (IBO) bieten mittlerweile knapp 3300 Schulen in 153 Ländern das IB Diploma an - in englischer, französischer oder auch spanischer Sprache. An den deutschen IB-Schulen wird ausschließlich das englische Programm unterrichtet. Die meisten IB-Schulen befinden sich in Nord-, Mittel- und Südamerika. Neben dem IB-Diplom hat die IBO noch weitere international ausgerichtete Bildungsprogramme etabliert, unter anderem für Grundschulkinder und Berufsanfänger.

© SZ vom 05.04.2019/lho
Intelligenz

IQ-Test
:Wie intelligent sind Sie?

Wie gut sind Sie im analytischen Denken und logischen Schlussfolgern? Mit Hilfe des IQ-Tests von SZ.de können sie ermitteln, wie hoch Ihr Intelligenzquotient ist.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite