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Wiederaufbau nach der Flut:Seehofers Expedition ins Notstandsgebiet

Seehofer besucht Hochwassergebiete

Dort, wo jetzt ein Loch in der Erde klafft, stand einmal das Zuhause der Familie Lang in Fischerdorf. Horst Seehofer verspricht Geld für den Wiederaufbau.

(Foto: dpa)

Auf den ersten Blick wirkt zwei Monate nach der Flut in Niederbayern alles wieder wie neu. Aber hinter den Fassaden sieht es anders aus - viele Flutopfer haben alles verloren. Ministerpräsident Seehofer verspricht den Bürgern Geld und Sicherheit. Wirklich helfen kann er aber nicht.

Eigentlich haben die Bürger von Niederalteich ja schon einen Beschützer. Johann Nepomuk ist ihr Schutzpatron gegen Überschwemmungen. Ihm haben sie extra eine kleine Kapelle am Donauufer gebaut. Aber Johann Nepomuk konnte wohl nicht viel ausrichten, als die Juni-Flut über die Gemeinde hereinbrach, sich das Wasser durch die Straßen wälzte, durch die Wände drang. In die Häuser. In das Leben.

Jedenfalls hat Andreas Schreiner, 36, da so eine Idee entwickelt, während er für seinen gerade erst drei Monate alten Sohn Lukas Badewasser notgedrungen mit dem Wasserkocher warm machte, weil die Flut die Heizung zerstört hatte. Künftig könnte ja Ministerpräsident Horst Seehofer seine Hand schützend über Lukas halten. Deshalb steht er jetzt vor dem Feuerwehrgerätehaus in Niederalteich, wo so viel los ist wie sonst wohl nur beim Feuerwehrfest. Schreiner wartet in Badelatschen und mit einem Anliegen. "Nimmt der Ministerpräsident auch Patenschaften an?", fragt er einen aus dem Seehofer-Tross.

Nimmt er nicht. "Fragen kostet ja nichts", meint Schreiner. Er bleibt trotzdem. Mal schauen, ob Seehofer überhaupt etwas mitbringt.

Alles nur Fassade

Expedition ins Notstandsgebiet muss man diese Reise gut zwei Monate nach der Flutkatastrophe wohl nennen. So bezeichnet Niederalteichs Bürgermeister Josef Thalhammer die Gegend, der man erst auf den zweiten Blick ansieht, was sich hier zugetragen hat. Die Gärten sind schon wieder hergerichtet, auch die Häuserfassaden sind meist schon frisch getüncht. Aber hinter den Fassaden sieht es noch anders aus. Auch in den Menschen drinnen.

Seehofers Limousine fährt vor, der Ministerpräsident steigt aus. "Wir sind wieder da", sagt er. "Gott sei Dank", ruft eine Frau mit Dauerwelle, die plötzlich vor ihm steht. Dann folgt dieser Dialog: Seehofer: "Seid's wieder froh?" Bürgerin: "Wir hätten ja eh nichts machen können." Seehofer: "Das ist wahr!"

In der "Pension zum Glück", gleich gegenüber von der Feuerwehr, hätten sie wirklich Glück gehabt, erzählt Susanne Köhler. Nach nur drei Wochen hätten sie schon wieder ihr Haus eröffnen können. Ihr Vater sei früher zur See gefahren, er kenne sich halt aus mit Fluten. Als andere noch glaubten, so schlimm werde es nicht kommen, hatten die Köhlers schon angefangen, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Die 23-Jährige lacht, als sie davon erzählt. Sie selbst wollte ihrem Vater nicht glauben.