Walter Mixa Selbstherrlich und brutal

Der Missbrauchsvorwurf gegen Walter Mixa ist falsch, die Prügelvorwürfe gegen den Geistlichen fallen umso krasser aus. Die Taten sind verjährt - der moralische Schaden unterliegt keiner Frist.

Ein Kommentar von Sebastian Beck

Für Augsburgs zurückgetretenen Bischof Walter Mixa gab es auch am Freitag weder Anlass zur Freude noch zur Erleichterung: Zwar hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ihre Vorermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eingestellt.

Mixa während eines Auftritts im April 2010

(Foto: Foto: dpa)

Dafür aber werden die Prügelvorwürfe immer massiver.

Mixa hat im Schrobenhauser Waisenhaus jahrelang Kinder schwer misshandelt. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht eines Sonderermittlers - und das ist schlimm genug.

Das Dossier belegt einmal mehr, dass der Rücktritt Mixas von seinem Bischofsamt ebenso spät wie unvermeidlich war. Er selbst hatte versucht, seine Übergriffe kleinzureden.

"Reinen Herzens" wollte sich Mixa nur an die "eine oder andere Watsch'n" erinnern. Ein Bagatelldelikt gewissermaßen, nicht der Rede wert - jedenfalls aus Mixas Sicht.

Jetzt kommt ans Licht, dass er offensichtlich gelogen hat. Schon seit Jahren sind über ihn diverse Gerüchte, Halb- und Unwahrheiten im Umlauf. Es ist gut, wenn diese nun überprüft und gegebenenfalls als Lügen entlarvt werden - wie im Fall des angeblichen sexuellen Missbrauchs.

Über das Ziel hinausgeschossen

Hier ist das Bistum Augsburg in seinem Streben nach Aufklärung und Transparenz offenbar übers Ziel hinausgeschossen.

Juristisch wird der Fall Mixa wohl ungeahndet bleiben: Straftaten aus seiner Zeit als Schrobenhauser Stadtpfarrer sind verjährt.

Sie illustrieren jedoch, wie selbstherrlich und brutal die katholische Kirche bis in die jüngste Vergangenheit mit Schutzbefohlenen umgesprungen ist. Keiner Verjährungsfrist unterliegt der moralische Schaden, den Mixa angerichtet hat.

Die Kirche wird Jahre brauchen, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen.