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Lärm und Staub:Vilshofen: Anwohner ärgern sich über Holzfabrik

Aber nur jene, die weiter weg wohnen. Ein Ende des bizarren Streits in Vilshofen ist nicht in Sicht - die nächste Erweiterung der Holzwerke ist beschlossen.

Er hält an, stellt den Motor ab, lässt die Fensterscheibe runter und horcht. "Wenn der Wind so weht wie heute, dann hört man nix", sagt Hans Weinzierl senior, und überhaupt sei das eher eine psychologische Sache: "Wenn es dich ärgert, was du hörst, dann hörst du es erst recht."

Er lässt die Fensterscheibe wieder hoch, schmeißt den Motor wieder an und fährt die schmale Straße den Hang hinauf. Links Wohnhäuser, rechts Fabrikgelände, beide Seiten wollen nur das eine: ihre Ruhe. Das ist ja das Problem.

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Holz als Baustoff

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Es ist früh am Morgen in Thannet, einem Ortsteil im niederbayerischen Vilshofen. Oben, am Hang, da qualmt der Kamin der Holzfabrik, unten, in der Stube eines Bauernhauses, da wettert Markus Gutmann.

Das Fenster hat er zugemacht, das Geräusch da draußen geht ihm auf die Nerven, deswegen wettert er ja so. Vorgestern sei es wieder besonders schlimm gewesen, da habe er ferngeschaut, aber verstanden habe er kaum ein Wort, sagt Gutmann. "Du denkst, da steht jemand im Garten und macht bummbummbumm."

Beide Seiten fühlen sich terrorisiert

Markus Gutmann hasst dieses Bummbummbumm, doch es gehört zum Soundtrack seines Alltags. Seit mehreren Jahren herrscht in Thannet Krieg zwischen den Anwohnern und den örtlichen Holzwerken Weinzierl. Beide Seiten fühlen sich terrorisiert: die Anwohner vom Lärm und vom Staub der Holzwerke, die Holzwerke-Chefs vom Ärger der Anwohner.

Mehrere Aktenordner füllt der Streit im Passauer Landratsamt - ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, die nächste Erweiterung der Holzwerke ist beschlossen, der Stadtrat hat sein Okay gegeben, mit 21:3 Stimmen. "Egal, was wir machen, es wird immer zugunsten des Unternehmers entschieden", schimpft Markus Gutmann, der Vorsitzende der Anwohnergemeinschaft "Streusiedlung Thannet".

Er steht jetzt am Zaun des Werksgeländes und schaut auf die Wiese, die als nächstes zugepflastert werden soll, damit die Holzwerke weiter wachsen können. Vor 20 Jahren, sagt Gutmann, seien hier überall Wiesen und Maisfelder gewesen, damals waren die Holzwerke Weinzierl viel kleiner, damals haben sie acht Stunden am Tag produziert.

Heute ist die Firma mehrere Fußballfelder groß, von frühmorgens bis spätabends laufen die Maschinen, von sechs Uhr früh bis zehn Uhr nachts fühlen sich die Anwohner vom Krach der Säge belästigt, vom Poltern der Förderbänder, die Pelletieranlage brummt rund um die Uhr.