Verfall der Maxhütte Schweigsamkeit, die einen Grund hat

Ein Haufen Schrott, aber kein Schandfleck

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Aichers Interesse am Erhalt der denkmalgeschützten Bauten scheint nicht gerade groß zu sein: Teile des Inventars wurden mit Genehmigung der Stadt bereits abgerissen oder ausgebaut. 2010 wurde ein Antrag auf Abbruch des Stahlwerks gestellt, dann aber wieder zurückgezogen. Von der Stranggussanlage sind nur noch die Fundamente übrig geblieben. Ein letzter Bloom - so heißen die Stahlblöcke, die hier gegossen wurden - liegt wie ein Findling in der Halle.

Die Chance, die Stahlerzeugung lückenlos zu dokumentieren, ist vertan: "Das ist ein Drama", sagen Denkmalschützer. Sie äußern sich, wenn überhaupt, nur anonym zu den Vorgängen. Aicher lehnt jede Stellungnahme ab. Die Stadt Sulzbach-Rosenberg gibt erst nach wiederholter Nachfrage Auskunft. Die Schweigsamkeit hat einen Grund: Um wenigstens die Reste der Maxhütte zu erhalten, sind Millionenbeträge erforderlich. Doch wer soll sie aufbringen?

Der Eigentümer Aicher, so heißt es, sehe sich damit finanziell überfordert. Die Stadt Sulzbach-Rosenberg hat zwar die Planungshoheit, ist aber hoch verschuldet. Richard Reisinger, der Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach, verweist auf die Mittel, die man ins Ostbayerische Industrie- und Bergbaumuseum gesteckt habe.

Bleibt nur noch der Freistaat: Er hat bereits 55 Millionen Euro für die Sanierung des Schlackenbergs ausgegeben. Im Frühjahr erklärte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer die Maxhütte zur Chefsache und lud zu einem Gespräch in die Münchner Staatskanzlei ein, um das Kompetenz-Wirrwarr zu klären. Am Tisch saßen Kabinettsmitglieder, Lokalpolitiker aus der Oberpfalz und Vertreter des Eigentümers. Das Ergebnis: Für weitere 20 Millionen Euro sollen nun endlich auch Altlasten auf Teilen des Werksgeländes beseitigt werden, das Aicher gehört. Auch diese Summe muss wahrscheinlich der Freistaat vorstrecken.

Die Reste der Maxhütte sind damit aber nicht gerettet. Um sie zu konservieren, bräuchte es eine Betreibergesellschaft und zig Millionen zusätzlich: "Der Erhalt des Stahlwerks würde enorm teuer", sagt Gerd Geismann, der frühere Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg. "Da wird noch großer Streit entstehen." Denn noch immer ist unklar, was genau erhalten werden soll. Zumindest an Konzepten herrscht kein Mangel: Sie reichen vom "Industriekletterpark" und Abseilaktionen am Hochofen bis hin zum Kulturzentrum mit Museum - nur ist zweifelhaft, ob daraus noch etwas wird. Das Deutsche Museum hat schon abgewunken: An einer Außenstelle Maxhütte haben die Münchner kein Interesse.

Immerhin gibt es Leute wie Christian Trösch. Er kümmert sich als Objektmanager im Auftrag Aichers, dass zumindest rund um den Hochofen und in einer Halle ab und zu Leben einkehrt: Er veranstaltet Weihnachtsmärkte, Mountainbikerennen, Kulturabende, Oldtimer-Treffen und Fußballübertragungen. Er träumt von einer überregionalen Touristen-Attraktion.

Doch in zehn Jahren wurden ganze 75.000 Euro in die Sicherung der Maxhütte gesteckt. Ein damit finanziertes Gutachten hat ergeben: Der Hochofen ist zumindest noch standfest. Das könnte doch ein guter Anfang sein.