Unter Bayern:Verflixte Bierseligkeit

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Volksfeste sind verboten, pandemiebedingt. Nur noch Ersatzveranstaltungen darf es geben. Was hätte dazu bloß ein gestandener Volksfestreferent gesagt?

Glosse von Katja Auer

Das Volksfest ist etwas in Verruf geraten in jüngster Zeit, weil es als Infektionstreiber gilt, seit die Mitterteicher vor gut einem Jahr ein Starkbierfest feierten und hernach der Landkreis Tirschenreuth Corona-Hotspot war. Es lag zwar nicht nur am Fest, Feierlichkeiten dieser Art sind dennoch nicht geeignet zur Pandemie-Bekämpfung.

Eine gewisse Nähe ist unvermeidbar bei einem gescheiten Volksfest, üblicherweise sitzt man, Verzeihung, Arsch an Arsch auf der Bierbank. Von der Riesenbreze darf sich jeder ein Stück abbrechen und der Käse, dünn aufgeschnitten und gesalzen, ist ebenfalls zum Hinlangen gedacht. Gesellig, aber ganz und gar nicht Anti-Corona-Maßnahmen-konform.

Von späteren Eskapaden auf und unter dem Biertisch und den Knutschereien hinter dem Autoscooter ganz abgesehen, jener "bierseligen Stimmung" also, welche die Staatsregierung fürchtet.

Manchmal wüsste man ja gerne, was wäre wenn. Was zum Beispiel Franz Josef Strauß zu den schwarz-grünen Träumereien seines selbst ernannten Erben Markus Söder sagen würde. Oder wie Herbert Fischer selig das Verbot von Volksfesten ausgerechnet durch seine CSU fände. Nicht gut, vermutlich. Dazu muss man wissen, dass Fischer langjähriger Landtagsabgeordneter mit Sinn für Kunst und Kartenspiel war, in erster Linie aber noch langjährigerer Volksfestreferent seiner Heimatstadt Neumarkt in der Oberpfalz. Tagelang verließ er den Festplatz nur, um schnell das Trachtenhemd zu wechseln. Ein jovialer Mann, beliebt beim Volke, nicht nur, weil er stets großzügig Biermarkerl verteilte. Seinen größten Triumph errang Fischer - beinahe wenigstens -, als die CSU einst über das Rauchverbot stritt. Das sollte ja zunächst Ausnahmen beinhalten, eben auch für Bierzelte und Volksfesthallen auf das vehemente Drängen Fischers hin. Das verschaffte ihm kurzzeitig überregionale Bekanntheit - bis die CSU alle Ausnahmen kippte und doch ein strenges Rauchverbot beschloss.

Ausnahmen gibt es jetzt wieder, für Ersatzveranstaltungen. Da kann es Fahrgeschäfte geben, Buden, Bier, vielleicht sogar Biermarkerl. Hauptsache, es steht nicht Volksfest drauf. Allerdings macht der Titel eines Ersatzveranstaltungsreferent halt gar nichts her. Gut, dass das zu Herbert Fischers Zeiten anders war.

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