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Unter Bayern:Die Mischung macht's

Wenn Frauen und Männer in getrennten Gruppen feiern, führt dies erfahrungsgemäß ins Verderben

Kolumne von Sebastian Beck

Weil an dieser Stelle ja immer wieder Lebensweisheiten und güldene Schätze der Tugend dargereicht werden, sei an folgende Regel erinnert. Merke: Gruppen, die ausschließlich aus Männern oder Frauen bestehen, sind vom Unglück bedroht, auch wenn sie es selbst nicht merken und sich die Mitglieder sogar anfangs noch freuen, dass sie unter sich sind und gleich eine riesen Gaudi haben werden.

Beleg eins: Vor etlichen Jahren berichtete der Reporter mal über das Jubiläumsfest eines Burschenvereins. Höhepunkt der sechstägigen Feiern war die "Topless-Dreckschlacht" im Bierzelt am Dorfrand. In einer Denkschrift mit immerhin 165 Seiten erinnerten die Burschen an ihre schönsten Vollräusche aus zwei Jahrzehnten: "Der diesjährige Ausflug ins Kleinwalsertal stand ganz im Zeichen des von den Schönauern übernommenen Mottos: Sauffa, sauffa, sauffaaa ..." Um es abzukürzen: Der Burschenverein war mit der Berichterstattung nicht zufrieden. Umgekehrt musste der Reporter leider danach feststellen, dass der Vorsitzende des Burschenvereins sein Bankberater war und damit auch über seine Kreditlinie entschied. Aber das nur nebenbei. Jedenfalls wäre es gut gewesen, wenn beim Burschenverein ein paar Mädels dabei gewesen wären und ihren Kerlen frühzeitig den Stecker gezogen hätten.

Beleg zwei: Übers Volksfest in Karpfham - und nicht nur da - ziehen seit einigen Jahren rudelweise Frauen, die ihren Junggesellinnenabschied feiern. Eine der Hochzeiterinnen war mal als Schaf verkleidet und verkaufte Silikonbrüste, die auf Niederbairisch aber anders heißen. Jedenfalls durfte der Reporter auch miterleben, wie zwei Frauen im Dirndl, die gerade noch einigermaßen gehen konnten, eine dritte bewusstlos aus dem Festzelt schleiften. Es ging sozusagen von der Notaufnahme direkt zum Traualtar. Das ist nicht romantisch. Auch hier wäre die besonnene Stimme eines Herrn erforderlich gewesen, der sagt: "Halt ein, mein Schatz, trink nicht mehr als fünf Mass." Aber bitte, sie wollen ja partout immer unter sich sein.

Deshalb hier ein grundsätzliches Plädoyer für gemischte Gruppen, Frauen sollten also auch beim Memminger Fischertag mitmachen dürfen. Und wenn sie sich danach unbedingt betrinken wollen, können sie das auch gemeinsam tun.

© SZ vom 08.08.2020

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