Unter Bayern:Die drei Momente der Woche

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Was ist eigentlich passiert in den vergangenen Tagen, was sich für eine Glosse eignet? Nichts Besonderes. Wobei, das stimmt so nicht. Allein der Moment am Fußballtor in Böbrach ...

Glosse von Sebastian Beck

Jetzt ist schon wieder Freitag, und es ist nicht gerade so, dass die Geschichten auf der Straße herumliegen. Beim Durchfilzen der glossentauglichen Erinnerungen an die vergangenen Tage kommt einem die Dienstreise zum TSV Böbrach in den Sinn, wobei man sich durchaus fragen kann, warum man einen Sonntag opfert, um 225 Kilometer in den Bayerischen Wald zu fahren, um den schlechtesten Fußballverein Bayerns zu besuchen. Andererseits bleibt da dieser Moment hängen, als sich ein Typ mit der Bierflasche neben dem Pfosten aufbaut und dem Heimtorwart den Ratschlag erteilt: "Ihr müsst mehr nach vorne spielen." Als er ungefähr den 15. Treffer kassiert hat, schlägt der Torwart dann auf den Rasen ein: "Sacklzement", flucht er. Dem Reporter der SZ entfährt ein mitleidiges "Omei", worauf der Torwart antwortet: "Durchbeißen, hilft ja nix."

Moment zwei dann in Straubing auf der Trabrennbahn, wobei man sich durchaus die Frage stellen kann, warum man 185 Kilometer fährt, um sich ein Trabrennen fast ohne Publikum anzuschauen. Der Reporter der SZ sagt dann zu einem dieser drahtigen alten Sulkyfahrer, er erinnere sich aus seiner Kindheit auf der Trabrennbahn in Daglfing nur an einen einzigen Namen und an sonst nichts: Biendl. "Der bin i", antwortet der Mann.

Als Startwagen für die Rennen dient in Straubing ein dunkelgrüner BMW 740. Aus seinem Heck ragen zwei lange Arme, die sich aus- und einklappen lassen. Der Fahrer, ein cooler Hund mit Vokuhila, weist den Reporter auf die gepanzerten Scheiben hin: Das Auto sei die Staatslimousine von Franz Josef Strauß gewesen. Ihm habe aber die Farbe nicht gefallen, weshalb der 740er bis ans Ende der Tage auf der Trabrennbahn Straubing seine Runde drehen muss.

Moment drei im Bergwald am Schliersee. Es ist nicht weiter schlimm, wenn man am Morgen 38 Kilometer fahren muss, um dem Waldbauern Michael Lechner dabei zuzuschauen, wie er im steilen Gelände eine Fichte umsägt. Seine Bäume seien immer noch richtig gefallen, beruhigt er den Reporter. Die riesige Fichte fällt dann auch so wie berechnet. Danach bedankt sich Lechner mit zehn Eiern für den Besuch.

So gesehen ist der Job als Journalist in Bayern dann doch gar nicht so langweilig.

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