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Tuntenhausen:Haftstrafe für Rocker-Chef

Hell-Angels-Präsident wegen Zuhälterei verurteilt

Speziell in der Führungsriege kämen schon ein paar Jahre Gefängnis zusammen, hatte der ranghohe Polizist aus dem Rosenheimer Präsidium den Dorfbewohnern im vergangenen Sommer über ihre neuen Nachbarn gesagt. Die Schönauer hatten sich in ihrer Turnhalle versammelt, um mehr über das frisch gegründete Charter Rosenheim der Hells Angels zu erfahren, das sich über ihrer früheren Dorfmetzgerei eingemietet hatte. Jetzt sind in der Führungsriege der Rocker noch ein Jahr und acht Monate Gefängnis dazugekommen, und zwar ganz an der Spitze. Das Amtsgericht Rosenheim hat den geständigen "Präsidenten" der örtlichen Hells Angels rechtskräftig zu einer Haftstrafe wegen Zuhälterei und einigen anderen Delikten verurteilt. Aus Schönau sind die Hells Angels inzwischen auch verschwunden.

Die Polizei hatte den 36-Jährigen schon im September 2019 festgenommen, wenige Wochen nach der Veranstaltung in der Turnhalle. Der ursprüngliche Verdacht, dass der Mann im größeren Stil mit Kokain handele, ließ sich laut einer aktuellen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein und des Landeskriminalamts zwar nicht beweisen. Dafür kamen ihm die Ermittler wegen Zwangsprostitution und Zuhälterei auf die Spur. Demnach ließ sich der Mann seit 2018 von seiner Lebensgefährtin aushalten und lebte recht gediegen von deren Einkommen als Prostituierte. Zugleich machte er sich im Frühjahr 2019 an eine alleinerziehende Mutter mit großen finanziellen Schwierigkeiten heran, täuschte eine Liebesbeziehung vor und machte die Frau so emotional von sich abhängig, um sie bald gegen ihren Willen auf den Strich zu schicken. Mit ihren Einnahmen reichte es nicht nur locker für die obligatorische Harley, sondern unter anderem auch für einen Bentley und einen Maserati.

Derlei Fahrzeuge wurden von der ehemaligen Metzgerei in Schönau schon länger nicht mehr gesehen. "Die Lage hat sich normalisiert", sagt Georg Weigl, selbst Schönauer und zugleich Bürgermeister der Gemeinde Tuntenhausen, zu welcher der Ort gehört. Die Veranstaltung in der Turnhalle und vor allem den vorangegangenen Polizeieinsatz zur Eröffnungsfeier des Klubheims, bei dem 150 Beamte den Ort abgeriegelt und alle 160 Gäste aus ganz Deutschland genau gefilzt hatten, lobt Weigl als "absolut das richtige Signal", dass die Hells Angels dort nicht erwünscht seien. Die hätten kein Interesse an Aufsehen und sich wohl auch deshalb schnell wieder aus Schönau verabschiedet.

© SZ vom 28.05.2020 / kpf

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