Trinkwasser:Umweltpolitiker kritisieren Regierung

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In der Debatte über Spuren von Perfluoroctansäure im Trinkwasser der Region Altötting fordert die Landtags-SPD ein Eingreifen der Staatsregierung. Im Umweltausschuss kritisierten der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn und der örtliche Abgeordnete Günther Knoblauch, dass erste Nachweise des Stoffes im Wasser der Alz zehn Jahre lang ignoriert worden seien. Erst im Dezember 2016 hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Untersuchung von anonymisierten Blutspenden aus der Gemeinde Emmerting vorgelegt. Der möglicherweise krebserregende Stoff fand sich in Konzentrationen weit über dem Wert, der offiziell als unbedenklich gilt. Der Untersuchungsbericht stieß erst in diesem November auf größere Aufmerksamkeit und wird in der Region seither heiß diskutiert.

Der Stoff PFOA wurde im Chemiepark Gendorf über viele Jahre eingesetzt, um Beschichtungen etwa für Funktionskleidung oder Pfannen herzustellen. 2006 pumpte Greenpeace belastetes Alzwasser auf das Werksgelände zurück und machte so auf das Problem aufmerksam, zwei Jahre später stellte das Werk auf einen anderen Stoff um. Von 2020 an wird PFOA EU-weit verboten sein. Der Chemiepark finanzierte Studien, laut denen die Konzentration im Trinkwasser dennoch weiter steigen wird. Als das Umweltbundesamt 2016 den Richtwert herabsetzte, mussten einige Brunnen geschlossen werden. Bis Mitte 2018 sollen alle Brunnen der Region mit Aktivkohlefiltern ausgerüstet sein, die PFOA gut binden können. Harte Grenzwerte gibt es weder für die PFOA-Konzentration im Trinkwasser noch für die im Blut. Auch eine medizinische Abhilfe gegen PFOA im Blut gibt es nicht. Als einzige Maßnahme gilt, die weitere Aufnahme zu verhindern. Von Brunn kritisiert nun, dass die Behörden seinen Recherchen zufolge schon 2006 PFOA in Alz-Fischen festgestellt haben. Seither habe aber offenbar niemand das Trinkwasser intensiv kontrolliert. Der Ausschuss folgte dem SPD-Antrag und verlangte einstimmig einen Bericht der Staatsregierung. In der Region wird unterdessen über breit angelegte Bluttests debattiert. Die Behörden halten diese für überflüssig, weil die Ergebnisse absehbar seien und mögliche Konsequenzen schon jetzt gezogen würden.

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