Traditionsreiches Getränk:Edles aus dem Bayerwald

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Bayerischer Bärwurz erhält europäischen Herkunftsschutz

Die Europäische Kommission hat den Bayerischen Bärwurz in das Register des europäischen Herkunftsschutzes aufgenommen. Das bedeutet, dass diese Spirituose nur noch in Bayern hergestellt werden darf, und zwar unter Einhaltung bestimmter Standards. Der aus der Bärwurzpflanze gewonnene Kräuterschnaps ist damit die 53. EU-weit geschützte Spezialität. Die aromatischen Inhaltsstoffe werden aus den Wurzeln der Pflanze gewonnen, die in den Höhenlagen des Bayerischen Waldes bis zu acht Jahre lang heranwachsen müssen. Der Name Bärwurz ist eine Abkürzung des früher für diese Pflanzen üblichen Namens "Gebärmutterwurz".

Der Bayerische Bärwurz sei ein "Aushängeschild" des Bayerischen Waldes, sagte die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Der europaweite Schutz durch die Europäische Kommission unterstreiche die "wirtschaftliche, aber auch die kulturelle Bedeutung" dieses Produkts. Dessen Herstellung ist ein gut gehütetes Geheimnis der Brennereien, die fast alle in Niederbayern angesiedelt sind. Serviert wird der Bärwurz aus rotbraunen Steingutflaschen, die das Erzeugnis vor Temperaturschwankungen wesentlich besser schützen als Glas. Die ätherischen Öle werden außerdem keiner Lichteinwirkung ausgesetzt, wodurch Qualität und Intensität optimal erhalten bleiben. Das EU-Register umfasst landwirtschaftliche Produkte, Getränke und Lebensmittel, die geschützt und registriert werden, um ihre hohe Qualität zu sichern. Diesmal wurden auch das italienische Olivenöl Olio di Roma, die ungarischen Äpfel Tuzséri Alma und der kroatische Wein Muškat Momjanski in das Verzeichnis aufgenommen. Die gut hundert Jahre alte Tradition, Wurzeln der Bärwurz-Pflanzen zu einer Spirituose zu verarbeiten, hat sich im Laufe der Zeit auch in anderen Regionen Bayerns etabliert. Ausgangspunkt aber ist der Bayerische Wald, wo der Mediziner und Brennereibesitzer Karl Eckert aus Deggendorf um 1920 herum neben der Wirkung der Pflanze auch den feinen Geschmack ihres Destillats entdeckte. 1928 ist der Name Bärwurz in einer Preisliste der "Brennerei zum Bären" in Deggendorf dokumentiert. Die feste Verankerung des Getränks als bayerisches Kulturgut offenbart sich nicht zuletzt an sprachlichen Umschreibungen wie etwa im Begriff "Bayerwalddiesel". Auch in literarischen Werken und Fachzeitschriften ist die traditionelle Erzeugung des Bayerischen Bärwurz belegt. In der 1949 erschienenen Ausgabe des Romans "Der Wurzelsepp" von Karl May ist folgendes Zitat zu finden: "Im Kronenhof gibt's den besten Bärwurz vom ganzen Bayerischen Wald."

Auch das Schnapsmuseum in Hauzenberg geht auf die traditionelle Erzeugung der Spirituose ein. Des Weiteren gibt es in Böbrach das Schnapsmuseum "Gläserne Destille", in dem wie in Hauzenberg ein Dokumentarfilm über die beeindruckende Tradition der Bärwurz-Erzeugung gezeigt wird.

In der Europäischen Union sind jetzt fast 3500 Erzeugnisse durch die EU-Qualitätsregelungen geschützt. Dadurch sollen die mit ihrem geografischen Ursprung sowie Wissen verbundenen einzigartigen Eigenschaften gesichert werden.

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