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Teublitz:Wald soll neuem Gewerbegebiet weichen

Bürgermeister weist Areal für Betriebe aus. Naturschutzverbände kritisieren massiv den Flächenverbrauch

Von Christian Sebald, Teublitz

Dreißig Jahre lang haben die Lokalpolitiker im oberpfälzischen Teublitz kein neues Gewerbegebiet ausgewiesen. Jetzt wollen sie ihre Zurückhaltung aufgeben. Drei Kilometer von der eigentlichen Stadt entfernt, an der A-93-Auffahrt Teublitz, soll jetzt ein neues Gewerbegebiet entstehen. Laut Bürgermeister Thomas Beer (CSU) ist es in zwei jeweils etwa zehn Hektar große Bauabschnitte untergliedert, zunächst soll nur die eine Hälfte für die Ansiedlung von Betrieben freigegeben werden. Das Areal liegt am Westrand des Bayerischen Walds und ist Staatswald. Für den Bund Naturschutz (BN) und den Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist das Projekt ein Paradebeispiel dafür, dass sämtliche Bekenntnisse der Staatsregierung zum Flächensparen nichts fruchten. Der Flächenfraß in Bayern beträgt aktuell zehn Hektar am Tag, der Freistaat liegt damit an der Spitze der Bundesländer.

"Am Beispiel Teublitz wird für jedermann erkennbar, dass jede Kommune weiter nur in den eigenen Grenzen denkt", sagt der BN-Chef Richard Mergner. "Es kann nicht sein, dass im nahen Burglengenfeld eine große Industrieruine leer steht, und hier ohne Rücksicht auf die Umwelt ein neues Gewerbegebiet aus dem Boden gestampft wird." Auch der LBV-Chef Norbert Schäffer kritisiert heftig, dass für das Projekt Wald in einer Größenordnung von 30 Fußballfeldern geopfert werden soll. "In dem Bereich wächst ein vitaler Zukunftswald aus Buchen, Eichen und Erlen heran. Außerdem leben in ihm geschützte Tiere wie die Erdkröte oder der Feinstreifige Laufkäfer", sagt Schäffer. "Dort ein Gewerbegebiet reinzusetzen, widerspricht allen gesellschaftlichen und politischen Zielen zur Bewahrung unserer Lebensgrundlagen." Beide Verbände fordern denn auch den Erhalt des Waldes.

Bürgermeister Beer hält dagegen, dass seine Kommune auf das neue Gewerbegebiet unbedingt angewiesen sei. "Wir müssen etwas für unsere örtlichen Betriebe tun, die erweitern wollen", sagt er. "Aktuell haben wir null freie Flächen." Mit dem neuen Areal sei der Bedarf wieder auf Jahre hinaus gesichert. Aus Beers Sicht sollten denn auch die Naturschutzverbände "uns dankbar sein für unsere Zurückhaltung in den letzten 30 Jahren". Zugleich weist er darauf hin, dass das Projekt nur an der Autobahnauffahrt realisiert werden könne. "Denn in der Stadt selbst oder an ihren Rändern geht nichts", sagt der Rathaus-Chef der 7300-Einwohner-Stadt im Landkreis Schwandorf. "Schon wegen der Naab, das ist alles Überschwemmungsgebiet." Auch den Eingriff in den Wald sieht Beer als nicht so schlimm an. "Denn", so sagt er, "der wird ja bereits von einigen Straßen durchschnitten."

© SZ vom 01.07.2020

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