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Streit um Theater-Container in Augsburg:Bühnenreife Kulturdebatte

Vor, zurück, vor, zurück - und sich zwischendrin bis auf die Knochen blamieren. Mit dieser Taktik begleiten Augsburgs Politiker schon lange die Pläne für eine Interimsspielstätte des Stadttheaters. Im April ist Eröffnung, das Chaos hat nun einen neuen Höhepunkt erreicht. Diesmal geht um die herausfordernde Aufgabe, einen Namen für die Bühne zu finden.

Stefan Mayr

Vor, zurück, vor, zurück. Und sich zwischendrin bis auf die Knochen blamieren. Mit dieser Taktik begleiten Augsburgs Politiker schon seit Jahren die Pläne für eine Interimsspielstätte des Stadttheaters. Der Bau schreitet nun endlich nach mehreren Verzögerungen voran. Die Eröffnung ist im April vor den Bayerischen Theatertagen geplant, auf dieser Baustelle können die Stadträte also nicht mehr viel falsch machen. Doch jetzt hat das Chaos einen neuen Höhepunkt erreicht - bei der überaus herausfordernden Aufgabe, einen Namen für die Bühne zu finden.

Umbaupläne Stadttheater Augsburg

Das Stadttheater Augsburg bekommt ab April einen Container als Interimsspielstätte. Über den Namen der neuen Bühne wird heftig gestritten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nun ist es eigentlich so, dass die Bürger längst eine Bezeichnung gefunden haben: Das Gebäude, das nach 14 Jahren wieder abgebaut werden soll, wird allerorts "Container" genannt. Das wird wohl auch mindestens mittelfristig so bleiben, dennoch wurde die Diskussion über den neuen offiziellen Namen durchaus leidenschaftlich geführt.

Zunächst sollte eine Kommission mehrere Vorschläge erarbeiten, Intendantin Juliane Votteler sollte das letzte Wort haben. So weit die Beschlusslage. Doch bei der Sondersitzung des Kultur-Ausschusses zur Namensgebung konnte oder wollte sich Kulturbürgermeister Peter Grab an das besprochene Prozedere nicht mehr erinnern.

Trotz mehrerer Hinweise Vottelers und einiger mitdenkender Stadträte warf er das Verfahren komplett über den Haufen: Die Vorschläge der Kommission (b-box, Brecht-Box, Brecht oder Cubus) wurden kurzerhand verworfen. Stattdessen machten zwei Spontan-Vorschläge aus der Mitte des Kulturausschusses (BB und Brecht-Bühne) das Rennen. Plötzlich sollte der Stadtrat drei Tage später endgültig entscheiden.

Doch der Stadtrat trat diesen Beschluss kurzerhand in die Tonne. Dabei stellte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) dem Kulturausschuss keine gute Note aus: "Die Mitglieder der Kommission müssen sich vor den Kopf gestoßen fühlen." Damit attestierte er seinem Stellvertreter und Koalitionspartner Peter Grab (Pro Augsburg) einmal mehr indirekt Unfähigkeit.

Die Sondersitzung des Kulturausschusses war also komplette Geldverschwendung - wenn man einmal davon absieht, dass die mehr als 100 Zuhörer sich köstlich amüsierten angesichts des Polit-Dramoletts - und sich seitdem wohl ganz sicher sind, wen sie künftig nicht wählen werden. Der Stadtrat jedenfalls musste eine nochmalige Sitzung der Kommission anordnen, diese einigte sich dann am Freitagnachmittag nach kurzer Debatte einstimmig auf: brechtbühne.

© SZ vom 05.03.2012/afis

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