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Sparkassenchef:Zellners Nominierung brüskiert Bayerns Städte

Die Landkreise wünschen sich Landrat Zellner als Sparkassenchef. Münchens OB Ude und Minister Zeil wollen hingegen einen Fachmann.

Bayerns Sparkassen brauchen einen neuen Präsidenten, jetzt steht der erste Kandidat fest. Landrat Theo Zellner aus Cham soll Siegfried Naser ablösen, den bisherigen Chef des Sparkassenverbandes. Naser tritt wegen des Debakels bei der Landesbank vorzeitig ab. Zellner ist Chef des Landkreistages, der den 60-jährigen Kommunalpolitiker aus den Reihen der CSU offiziell als Bewerber für den Job bei den Sparkassen nominiert hat. Die Sparkassen gehören den Landkreisen und Städten.

Ein Mitarbeiter vor dem Logo der Sparkassen. In Bayern sucht man nach einem Nachfolger für Siegfried Naser.

(Foto: Foto: ddp)

Im Städtetag ist man verärgert über den Vorstoß der Landkreise. Ohne Absprache vorzupreschen sei alles andere als ein freundlicher Akt, heißt es. Schließlich werden auch zwei Städtechefs als mögliche Nachfolger Nasers gehandelt, der Kemptener OB Ulrich Netzer und Siegfried Balleis aus Erlangen.

Dass alle bisher genannten Anwärter für den gut dotierten Posten an der Verbandsspitze ausgerechnet der CSU angehören, stört wiederum die SPD-Oberbürgermeister in München und Nürnberg, die als Verwaltungsräte an der Spitze der größten Sparkassen im Freistaat stehen. "Ich bin verwundert, mit welcher Selbstverständlichkeit die CSU den Posten als Parteieigentum betrachtet", sagt Nürnbergs OB Ulrich Maly.

Am 9. Februar treffen sich zahlreiche Bürgermeister und Oberbürgermeister und wollen entscheiden, wen man an der Spitze des Sparkassenverbandes sehen will. "Man muss erstmal über das Anforderungsprofil reden", sagt Reiner Knäusl aus dem Vorstand des Städtetags. "Wir sehen keine Eile."

Der Landkreistag sieht das anders und hat nach Angaben des Miltenberger Landrats Roland Schwing einstimmig entschieden, Zellner vorzuschlagen und darüber mit den Städten zu reden. Man wolle eine "einvernehmliche Lösung in der kommunalen Familie", sagt Schwing, Vizepräsident des Landkreistags. Zellner ist offenbar bereit, das hohe Gehalt des Sparkassenpräsidenten zu reduzieren.

Fast 600.000 Euro im Jahr hat Naser zuletzt kassiert. Schwing kündigt an, Zellner werde vorschlagen, die "Gehaltsstrukturen von Präsident und Vorstand im Sparkassenverband den neuen Aufgaben anzupassen". In welcher Höhe ist allerdings noch offen.

Ude will Gehalt halbieren

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) verlangt, das Gehalt des Sparkassenpräsidenten zu halbieren. Offen ist, ob Zellner eine derart deutliche Kürzung hinnehmen würde. Außerdem will Ude lieber einen Experten sehen. Die Situation "schreie danach, nach den bitteren und schmerzhaften Erfahrungen mit der Landesbank und im Angesicht der dortigen Milliardenverluste endlich auch einmal eine fachlich hochkarätige Persönlichkeit zum Zuge kommen zu lassen", teilte Ude mit.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagt: "Ich wünsche mir einen aus der Sparkassenfamilie kommenden Fachmann." Für 600.000 Euro Gehalt könnte man auch einen richtigen Banker verpflichten - heißt es bei den Befürwortern einer solchen Lösung. Und sie käme auch der CSU entgegen. Wie aus Kreisen der Staatsregierung verlautet, stünde es der Partei nach der Landesbank-Pleite gut zu Gesicht, nicht gleich wieder bei der Besetzung solcher Posten nur an Parteifreunde zu denken.

Wie aus dem Sparkassenverband zu vernehmen ist, gibt es für einen solchen Vorstoß im Moment allerdings keine Mehrheiten. Auch der Landkreistag will keinen Banker an der Spitze des Sparkassenverbandes sehen. "Hier sind die Kommunen als Eigentümer am Zug", sagt Miltenbergs Landrat Schwing. "Es geht darum, einen Verband zu repräsentieren, das ist eine politische Aufgabe."