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Soziales:Mehr junge Obdachlose

Opposition kritisiert Mangel an Hilfsangeboten

Auch in Bayern ist die Zahl junger Obdachloser deutlich angestiegen. Dies wurde am Donnerstag in der Sitzung des Sozialausschusses klar, in der eine Vertreterin des Sozialministeriums über die Stiftung "Obdachlosenhilfe Bayern" berichtete. Deren Gründung ist für diesen Sommer geplant - noch aber sind nicht alle rechtlichen und organisatorischen Hürden überwunden. Vor der Präsentation des Projekts hob die Ausschussvorsitzende Doris Rauscher (SPD) hervor, mittlerweile liege das Durchschnittsalter von Wohnungslosen bei 35 Jahren, zu acht Prozent seien die Betroffenen noch im Kindes- und Jugendalter. "Und deren Zahl steigt", sagte Rauscher. Es sei also mehr als sinnvoll, diesen Menschen zu helfen.

Ein entsprechender Antrag der Grünen, der auf solche Hilfsangebote abzielte, wurde von der CSU und den Freien Wählern mehrheitlich abgelehnt. Begründung: Es gebe bereits solche Angebote. In Nürnberg etwa sorge ein von der Staatsregierung gefördertes Modellprojekt dafür, dass "junge Leute nicht in die Obdachlosigkeit rutschen". Johannes Becher von den Grünen zeigte sich enttäuscht, dass die Regierungsmehrheit seinem Werben nicht folgte: "Schade, dass wir selbst bei so einem Antrag nicht aus dem Spiel Regierung contra Opposition ausbrechen können", sagte er.

Kritisch sieht die Opposition, hier vor allen Dingen die FDP-Sozialpolitikerin Julika Sandt, dass die Staatsregierung offensichtlich auch weiterhin von einer statistischen Erfassung der Obdachlosen in Bayern absehen will. Die Bundesregierung, so ließ die Vertreterin des Sozialministeriums wissen, plane eine deutschlandweite Studie. Aus Sicht der Staatsregierung nimmt der Freistaat ohnehin die Bekämpfung der Obdachlosigkeit ernster denn je. Zu den Maßnahmen zähle nicht nur der Aktionsplan "Hilfe zur Obdachlosigkeit", sondern eben auch die nun kurz vor ihrer Gründung stehende Stiftung Obdachlosigkeit, für die im Doppelhaushalt 2019/2020 insgesamt fünf Millionen Euro vorgesehen sind. Damit sollen insbesondere Projekte der Wohlfahrtspflege gefördert werden, die sich der Wohnungslosenhilfe widmen. Doch selbst aus Sicht der Freien Wähler bräuchte die Stiftung mehr Mittel.