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Sozialausschuss:Pflege Angehöriger ist für Minderjährige belastend

Es kommt nicht oft vor, dass ein Abgeordneter des Bayerischen Landtags eine Jugendliche fragt, wo Politiker ansetzen sollen, damit bestehende Probleme gelöst werden können. So geschehen am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtags: Die 14-jährige Lana Rebhan aus Bad Königshofen im Kreis Rhön-Grabfeld machte den Sozialpolitikern aller Fraktionen klar, welchen Belastungen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind, die zu Hause kranke und pflegebedürftige Angehörige betreuen. Geschätzt sind dies bundesweit um die 470 000 Minderjährige, die oftmals völlig unerwartet mit dieser auch für Erwachsene belastenden Aufgabe konfrontiert werden. Sie bereiten für ihre Familienmitglieder - bei Rebhan ist es der schwerkranke Vater - das Essen zu, koordinieren die Medikamenteneinnahme, helfen beim Hinsetzen, Hinlegen und Laufen, assistieren bei der Körperpflege und ähnliches.

Viele der Abgeordneten im Sozialausschuss hatten von dieser Problematik bislang nichts gewusst. Zu dem Fachgespräch war außer der 14-jährigen Gymnasiastin aus Bad Königshofen auch ein Vertreter vom Regionalverband Unterfranken der Johanniter-Unfallhilfe eingeladen. Die Johanniter haben das Projekt "Superhands" ins Leben gerufen, das Kindern und Jugendlichen kranker Eltern beisteht. So etwa auch im Internet unter www.superhands.de. "Kinder", sagte Ralph Knüttel als Mitglied des Johanniter-Regionalvorstandes, "rutschen meist allmählich in die Rolle des Pflegenden." Manche entwickelten dabei Fähigkeiten, von denen sich auch examinierte Pflegekräfte etwas abschauen könnten - aber altersgerecht sei das beileibe nicht. "Ist es richtig, dass zum Beispiel eine 15-Jährige über Stunden hinweg den schwerkranken siebenjährigen Bruder betreuen muss, weil die Eltern am Nachmittag noch in der Arbeit sind?", fragte Knüttel. Im Alltag jedoch würden viele Kinder in ihrer Rolle als Pflegende auch mit Krankheiten konfrontiert, die selbst für Erwachsene verstörend sind. Etwa mit Demenz. Die psychischen Belastungen seien enorm, der Rückhalt und das Verständnis für pflegende Minderjährige indes meist gering - auch in den Schulen.

Doris Rauscher (SPD), die Vorsitzende des Sozialausschusses, versprach nach dem Fachvortrag: "Wir werden das auf jeden Fall noch einmal nachbereiten."