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Sonneberg:Es wird mit einer deutlichen Mehrheit für den Wechsel gerechnet

Quelle: SZ-Grafik

Und damit können selbst großzügigste Frankenfreunde nicht dienen. Wenn man alle Regionen zusammenkratzt, die in Thüringen politisch, sprachlich, kulturell zumindest irgendwie auch fränkisch geprägt sind, kommt man höchstens auf 400 000. Auch Truckenbrodt räumt das ein.

Bleibt eine Regelung, die sich im Grundgesetz unter "sonstige Änderungen des Gebietsbestandes" findet. Hat ein Raum nicht mehr als 50 000 Einwohner, dann kann der Bundestag einen Übertritt beschließen, falls auch der Bundesrat zustimmt.

Der "Altlandkreis Sonneberg" von 1922 hat weniger als 50 000 Einwohner, dort wollen die Vereins-Franken nun mit Unterschriften einen "Antrag auf Volksentscheid" in Gang bringen. In einer Erklärung geben sie sich extrem optimistisch: In und um die Stadt Sonneberg rechne man "mit einer deutlichen Mehrheit für den Wechsel in den Freistaat Bayern".

Die organisierten Franken in Thüringen haben 41 Mitglieder

Das mag man belächeln, schon weil die organisierten Franken in Thüringen derzeit exakt 41 Mitglieder haben. Andererseits ist Sonneberg schon seit Jahren Mitglied der Europäischen Metropolregion Nürnberg und mit der Region Coburg eng verwoben. Und in Sonneberg hat Bürgermeister Heiko Voigt schon vor Truckenbrodts Initiative mehrfach anklingen lassen, dass er nicht grundsätzlich abgeneigt ist, sich dem Land Bayern anzuschließen.

Voigt fordert, dass Sonneberg Kreisstadt bleibt, das ist derzeit nicht sicher. Sollte Sonneberg in einem thüringischen Großlandkreis untergehen, sieht er einen Wechsel in den Kreis Coburg als Variante. Und eines will Voigt betont wissen: "Wir sind keine Träumer und keine Populisten."

Voigt hat gerade Rückenwind, mit seiner Bayern grundsätzlich nicht abgeneigten Linie hat er erst vor wenigen Tagen mit Zweidrittelmehrheit das Rathaus erobert. Eine Gegenkandidatin, die bekundet hatte, mit Bayern nichts am Hut zu haben, kam auf ernüchternde 3,7 Prozent. "Das war mit Sicherheit auch ein Symbol", sagt Truckenbrodt, "wir haben keinen Zweifel, dass wir eine Mehrheit in der Bevölkerung finden." Wenn, dann scheitere man am Gesetz.

Tatsächlich findet sich in Absatz 7 des Artikels 29, in dem auf die 50 000 Einwohner Bezug genommen ist, nur die Möglichkeit, dass ein Bundesgesetz einen Übertritt regelt. Von Volksbefragung ist dort nicht die Rede. Die Frankenfreunde demotiviert das aber offenbar keineswegs: In den ersten zwei Stunden habe man bereits "mehr als hundert" Unterschriften gesammelt.

© SZ vom 01.09.2016/jey
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